..aus "Das neue Schwarzbuch Markenfirmen"
Weltweit schuften 12Millionen Kinder für die Herstellung billiger
Exportware. 360 Dollar-Milliardäre sind so reich wie die
ärmsten 2,5 Milliarden Menschen zusammen. Eine jährliche Abgabe
von einem Prozent ihres Reichtums könnte diese Menschen
mit Trinkwasser und Schulen versorgen. Die 500 größten Konzerne
setzen ein Viertel des Welt-Bruttosozialprodukts um und
kontrollieren 70 Prozent des globalen Handels. Sie beschäftigen
aber nur 0,05 Prozent der Weltbevölkerung. Jedes Jahr sterben
zehn Millionen Kinder, deren Eltern das Geld für Medikamente
fehlt. Tagtäglich verenden 100000 Menschen an den Folgen von
Hunger und Ausbeutung.
Als Folge der ungerechten Verteilung von Ressourcen ist das
täglicher Massenmord. Der unkontrollierten Globalisierung des
Handels und der Finanzströme wird unweigerlich eine Globalisierung
der sozialen Konflikte und des Terrors folgen. Wenn wir
unsere Lebensqualität, unsere Freiheit und unsere individuellen
Entwicklungschancen erhalten wollen, müssen wir die Voraussetzungen
dafür globalisieren: faire Regeln für das Zusammenleben
aller Menschen.
Klaus Werner und Hans Weiss
COCA COLA
Produkte, Marken GetränkederMarkenAlmdudler,Aquarius,Bonaqua,Burn,Cappy,Coca-
Cola,Fanta,Kinley,Krest,LiftApfelsaftschorle,MezzoMix,MinuteMaid,
Nestea,Powerade,Römerquelle,Sprite
Homepage: http://www2.coca-cola.com
Umsatz(2005):19,4MilliardenEuro
Gewinn(2005):4,1Milliarden Euro'
Beschäftigte: 600000
Sitz:Atlanta, Georgia(USA)
VORWÜRFE
Verfolgung von Gewerkschaften mit"Todesschwadronen« in Abtüllfirmen,
Ausbeutung und Kinderarbeit in derOrangenernte,rassistische Diskriminierung
Nach-0. K.' istCoca-Cola weltweit der am besten evrstandene Begriff.
Der Wert der MarkeCoca-Cola wird auf68 Milliarden Dollar geschätzt- das
ist mehr als das Dreifache des Konzernumsatzes. In über200 Ländern löschen die Menschen täglich mehr als eineMilliarde Mal ihren Durst mitProdukten aus dem HauseCoca-Cola.Insgesamt sind das jährlich 90 Milliarden Liter.
Am 20.Juli 2001 reichte die kolumbianischeGewerkschaft Sinaltrainal mit
Unterstützung der US-amerikanischen United Steel Workers of America
und demIntemational LaborRightsFund in Florida eine Klage gegen Coca-
Cola und seine Partner in Kolumbien ein.Paramilitärische Todesschwadronen,
welche Mord,Entführung und Folter an Gewerkschaftsmitgliedern begangen
hatten,hätten dies als Agenten der angeklagten Unternehmen
getan, heißt es in der Anklage. Acht Gewerkschafter wurden getötet, 65
weitere mit dem Tode bedroht.Insgesamt wurden in Kolumbien im letzten
Jahrzehnt mehr als 1800 Gewerkschaftsmitglieder ermordet.Ende 2004
rief die deutsche Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wegender Vorgänge
in Kolumbien zum Boykott von Coca-Cola-Produkten auf. Der Konzern bestreitet die Vorwürfe bis heute.
In Panama wurden im Herbst2002 achtGewerkschaftsmitglieder von der
lokalen Coca-Cola-Abfüllfirma vertragswidrig gekündigt,weil sie sich für
bessere Arbeitsbedingungen eingesetzt hatten.
Was können wir tun?
Die brauneBrause ist nicht nur gesundheitlich, sondern auch ethisch un-
verträglich. Kaufen Sie Orangensaft nur aus Fairem Handel. Bezugsquellen unter hllD://www.transfair.oro (Deutschland, Tel. +49/221/9420400)
httD://www.fairtrade.at (Österreich, Tel.+43/1/5330956)
hllD://www.maxhavelaar.ch (Schweiz, Tel.+41 /61 /2717500)
Proteste: Firmensprecher Kai Falk,Tel.+49/30/22606-9310, Fax
+49/30/22606-9110, presse@coca-cola-gmbh.de
H & M
Produkte, Marken Bekleidung,KosmetikundAccessoires;Eigenmarken: L.O.G.G.,Conwell,
Rocky,Uptownu. a.
Homepage
Firmendaten
Vorwürfe
www.hm.com
Umsatz(2005): 6,6 MilliardenEuro
Gewinn(2005): 1,4 MilliardenEuro'
Beschäftigte:50000
Sitz:Stockholm(Schweden)
VORWÜRFE:
Ausbeutung und Missstände in Zulieferbetrieben
Hunderte Millionen Kleidungsstücke verkauft der schwedische Konzern jedes Jahr in seinen und 1200 Kaufhäusern, die sich in mittlerweile 22 Ländern als Treffpunktjunger Konsumenten etabliert haben.
Seinen rasanten Aufstieg verdankt H&M vor allem der Tatsache, dass seine rasch wechselnden,
trendigen Kollektionen extrem billig sind.Die Folgen dieser Sparsamkeit,
bekommen jedoch letzten Endes die Textilarbeiter in den BiIliglohnländern zu spüren.
H&M betreibt selbst keine einzige Textiliabrik,hat aber weltweit rund700
Lieferanten unter Vertrag,60 Prozent davon in Asien.Die kriegen zwarPost
vom Konzern in Form eines Verhaltenskodex, in dem unter anderem die
Beschäftigungvon Kindern unter 14 Jahren abgelehnt wird.Menschenrechtsorganisationen kritisieren jedoch unter anderem,
dass dort nur von Mindesllöhnen und nicht von Löhnen zur Deckung des Lebensbedarfs die Rede ist.Vorallem aber fehlt ein institutionalisiertes Kontrollverfahren ,das
die Einhaltung der Regeln in den Betrieben sicherstellt. Denn die Selbstkontrolle durch H&M ist,wie Claus Bauer von der Österreichischen Textilgewerkschaft
feststellt, -nicht mehr als ein netter Marketinggag«.
Was wir tun können: H&M gibt sich zwar entschlossen, was etwa die Bekämpfung von Kinderarbeit anbelangt. Aber kosten soll es möglichst wenig. Konsumentendruck
hilft,das Management von der Notwendigkeit institutioneller Prüfverfahren
durch unabhängige Organisationen und Gewerkschaften zu überzeugen:
Tel.+49/40/3509550 (Deutschland), +43/1/5858400-0 (Österreich),+41/22/3170909(Schweiz), E-Mail: info.de@hm.com
Weitere Bösewichte
DOLE: Südfrüchte und FRuchtkonserven, Ausbeutung von Plantagenarbeitern, EInsatz von Pflanzengiften, Kinderarbeit....
NESTLE: Kindersklaverei...der Nestlekaokao den ihr trinkt wurde höchstwahrscheinlich von Kindersklaven geernet.
Dienstag
Montag
Schwarzbuch Markenfirmen/El libro negro de las marcas: Bei wem sollten wir in Zukunft NICHT mehr kaufen?


»Der politische Konsument ist ein schlafender Riese.
Dieses Buch zeigt, wie man ihn aufweckt.« Ulrich Beck
Das »Schwarzbuch Markenfirmen« verschafft Konsumenten erstmals eine Übersicht über die skrupellosen Machenschaften bekannter und beliebter Weltkonzerne
Markenfirmen wie Adidas, Coca-Cola, McDonald's, Mercedes, Nestlé und Siemens setzen die Trends in der Konsumindustrie. Sie diktieren Modeströmungen genauso wie internationale Vereinbarungen. Ihre Konzernumsätze übertreffen die Wirtschaftskraft zahlreicher Länder. Ihr Einfluss ist teilweise größer als der von Regierungen und politischen Institutionen. Der Wert einer Marke - und damit die Macht der Konzerne - misst sich längst nicht mehr am gehandelten Produkt, sondern an dessen Image: Der Aspirin-Hersteller Bayer wirbt mit »Kompetenz und Verantwortung«, Shell rühmt sich für seine ökologische und soziale Vorreiterrolle und Nike sieht sich als »Corporate Citizen«, der liebevoll für die »weltweite Nike-Familie aus Sportlern, Konsumenten und jenen, die für uns arbeiten« sorgt.
»Die für uns arbeiten«, das sind immer öfter Menschen aus den Billiglohnländern in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa. Ausbeutung, Zwangs- und Kinderarbeit sind dort an der Tagesordnung. Menschen und Lebensräume werden vergiftet, Regierungen erpresst, Krisen und bewaffnete Konflikte ungeniert ausgenützt oder sogar finanziert. Bekannte und beliebte Weltmarken tolerieren Folter, Sklaverei, unerlaubte Medikamentenversuche, Diskriminierung, Tierquälerei, Umweltzerstörung und die Verfolgung von Gewerkschaften und Kritikern.
Doch gleichzeitig setzen immer mehr Konsumenten auf ethische Mindeststandards. Sie wollen keine Produkte mehr kaufen, bei deren Herstellung Kinder ausgebeutet werden oder ganze Völker ihre Lebensgrundlagen verlieren. Das bringt aber auch Verunsicherung: Was kann ich überhaupt noch kaufen? Und vor allem: Wer sind die »Bösen« unter den Marken, mit denen ich im Alltag zu tun habe?
Dieses Buch ist der Versuch einer Antwort. Es kratzt am Image der erfolgreichsten Markenfirmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz und deckt auf, welche von ihnen die größte Verantwortung für die Misere tragen. Es zeigt aber auch, welche Macht die Konsumenten haben, um die Konzerne zu einer Änderung Ihrer Geschäftspraktiken zu zwingen.
ISBN 3548368476
Ullstein Tb, Berlin 2006
410 Seiten mit Abb.
€ 9,95
Klaus Werner y Hans Weiss
EL LIBRO NEGRO DE LAS MARCAS
El lado oscuro de las empresas globales
El consumidor es un gigante dormido. Este libro muestra cómo despertarlo." (Ulrich Beck, sociólogo alemán)
Adidas, Bayer, Nike, Siemens, Shell, McDonald’s, Nestlé, Samsung… ¿Cuántas de nuestras marcas preferidas basan sus ganancias en la corrupción, el trabajo infantil, la destrucción del medio ambiente o el maltrato de animales? Cada vez son más las grandes empresas que trasladan sus fábricas allí donde pueden aprovechar condiciones inhumanas de trabajo, que se benefician desvergonzadamente de crisis económicas y conflictos armados, que toleran la tortura y la esclavitud y que transgreden la ley para poder vender bienes probadamente dañinos.
Pero a la vez hay cada vez más consumidores que no están dispuestos a tolerar esta situación y que exigen niveles mínimos de moralidad. El libro negro de las marcas desenmascara las verdades más turbias que se esconden detrás de las imágenes exitosas de las grandes marcas, pero también muestra el poder que pueden tener los consumidores para obligar a las empresas a cambiar algunas de sus prácticas. Con fichas que detallan una por una las acciones perniciosas de 50 compañías conocidas en el mundo entero, explica también qué actitud puede tomar cada lector para luchar activamente en contra de esta situación.
Sonntag
Die globale Konsumverstrickung überfordert uns

Wie geht man also damit um? Man weiß, dass Kinder anderswo
auf der Welt für uns arbeiten, bloß beim Einkaufen vergisst man
es meistens. Wenn uns jemand erzählt, wie es dort zugeht, wo
Kinder arbeiten, unter Bedingungen, die keine deutsche Gewerkschaft
einem Erwachsenen zumuten würde, denken wir:
Das würden wir gerne ändern, bloß wie? Und dann gehen wir
ins Kino und sehen Der ewige Gärtner und denken: Mist, das
mit der Pharmaindustrie und AIDS in Afrika ist ja auch nicht
in Ordnung! Auf dem Rückweg hören wir im Radio, in welche
Not die gefallenen Kaffeepreise die vietnamesischen Bauern bringen.
Und am nächsten Morgen lesen wir in der Zeitung, dass die
gefährlichen Weichmacher-Chemikalien noch immer in Tablettenhüllen
eingerührt werden dürfen, obwohl man seit Jahrzehnten
weiß, dass sie Embryonen schaden können. Dann hat man
für eine Weile genug gehört.
Wenn Elisabeth Schauer von einer ihrer Reisen zurückkommt
und Freunden von den Kindersoldaten oder Teppichknüpferkindern
erzählt, wollen die das oft gar nicht so genau hören, und
sie kann verstehen, warum: »Es ist zu vielund zu weit weg.« Genau
das trifft es: Es ist einfach zu viel. Die globale Konsumverstrickung
überfordert uns.
Denn alles hängt zusammen, der Welthandel mit dem Hunger
in Afrika, unser Benzinverbrauch mit dem Weltklima, unsere
Politik mit den Menschen im Stacheldrahtzaun der spanischen
Exklaven in Marokko und unser Einkaufsverhalten mit den
Ressourcen im Regenwald, und wir hängen leider mittendrin,
und niemand kann sagen, er hätte das nicht gewusst. Wenn man
ein Steak isst, stirbt ein Stück Regenwald. Wenn man sein Auto
tankt, verölen Landstriche in Nigeria. Kauft man Turnschuhe,
fördert man Kinderausbeuter. Mit dem Erwerb eines goldenen
Ringes beteiligt man sich an der Vergiftung rumänischer Dörfer,
und das alte Containerschiff, das unsere neuen Sportsachen aus
China herbeibringt, verliert giftiges Tributylzinn in den Welt-
meeren. Man nutzt riskante Technik, möglicherweise gegen seinen
Willen, man weiß, dass die eigene Lebensweise dem Ökosystem
schadet, und kauft Waren, die unter Bedingungen produziert
wurden, die man nicht gutheißt, und kann doch nichts
daran ändern - jedenfalls nicht, ohne seinen Lebensentwurf zu
gefährden. Jeden Tag hört man, dass viele Dinge geschehen, die
nicht geschehen dürften, und weiß nicht, ob man dafür verantwortlich
ist. Wie soll man das aushalten? Gibt es so etwas wie
eine Konsumschuld? Das alles überfordert unser Vorstellungsvermögen
und, so scheint es, auch unsere Handlungsmöglichkeiten.
Wir wissen nicht zu wenig, wir wissen zu viel, wir sind
zu abgeklärt, und wir fühlen uns hilflos.
Die Ethnologin Shikiba Babori, die mit 13 Jahren aus Afghanistan
nach Deutschland kam, hat Kinder wie den TeppichknüpferAhmed in ihrer
Schule in Kabul getroffen. Damals, erzählt sie, wusste sie nicht,
dass jemand für solche Ungerechtigkeiten verantwortlich sein
kann. Die Kinder taten ihr einfach Leid. Heute ist das anders.
Auch wenn es nicht den einen Verantwortlichen gibt, den man
für das Leid dieser Kinder zur Rechenschaft ziehen könnte, so
kann man die Zusammenhänge doch erkennen: Zwar ist die
Welt im Zeitalter der Globalisierung ein komplexes System
schwer steuer barer Subsysteme, die alle irgendwie miteinander
zusammenhängen, und wir mittendrin. Doch als Teilnehmer der
globalen Wissens- und Informationsgesellschaft können wir
unsere Position darin ziemlich klar sehen, verwickelt in ein globales
Geflecht von Ursachen und Wirkungen, in dem sich jeder
Einzelne als Mit-Ursache und Teil der Wirkung erkennen kannungefragt
mitschuldig, aber nicht zu einer ohnmächtigen Handlungsstarre
verdammt.
Es gibt zwei Arten, auf die Konsumverstrickung zu reagieren:
verdrängen oder sich stellen. Die erste brauche ich nicht zu beschreiben,
weil sie beinahe jeder von uns beinahe immer praktiziert.
Wir sind ziemlich damit beschäftigt, unsere eigene Position
in einer Gesellschaft zu verteidigen, in der der Markt immer
größere Teile vereinnahmt: mit der richtigen Kleidung, der rich-
tigen Automarke und dem richtigen Job. Diese Verwirklichung
durch Konsum absorbiert Energie, die uns fehlt, um die andere
Seite des Marktes, die Herstellung der Waren, zu bedenken. Das
ist auch kaum anders möglich, denn immerzu darüber nachzudenken,
dass man sich beim Einkaufen permanent irgendwie
schuldig macht, übersteigt das emotionale Fassungsvermögen.
Dächte ich immerzu an den Teppichknüpfer in Kabul, könnte
ich meinen Wohnzimmerteppich nicht länger ertragen. Ich lasse
ihn aber liegen, denke an etwas andres, und so bleibt nur ein vages
Unbehagen.
Der Philosoph Günther Anders hat dieses Ausweichen vor
Schuld und Verantwortung vor fünfzig Jahren untersucht. Damals
begannen die Menschen gerade zu verstehen, dass sie mit
der Atombombe die Möglichkeit geschaffen hatten, die Menschheit
als Ganzes zu vernichten. Doch die meisten beschlossen, lieber
nicht darüber nachzudenken. Die Vorstellung, dass Atomwaffen
alles Leben auf der Erde vernichten könnten, war eine
Nummer zu groß für sie. Apokalypse-Blindheit nannte Günther
Anders dieses Phänomen. Weil sie Angst vor der Angst haben,
meinte Anders, denken sie nicht über die menschengemachte
Weltgefahr nach. Sie verdrängen sie, statt sich ihr zu stellen. Der
Gegenstand, "der uns eigentlich ohne Unterbrechung mit bedrohlicher
und faszinierender Überdeutlichkeit vor Augen stehen
müsste, steht umgekehrt gerade im Mittelpunkt unserer Vernachlässigung;
von ihm fortzusehen, fortzuhören, fortzuleben,
ist das Geschäft der Epoche.«
Wie schrieb der Journalist Florian Illies knapp fünfzig
Jahre später in Generation Golf. »Hätten
wir damals unseren Biologielehrern geglaubt, dann dürfte es
heute wegen des Waldsterbens in ganz Deutschland keine einzige
Eiche mehr geben, und Australien wäre längst verbrannt,
weil sich das Ozonloch unbarmherzig vergrößert. Wir hörten
immer neue Horrormeldungen und beschlossen deshalb irgendwann,
uns dafür nicht mehr zu interessieren.«
Günther Anders, den die Apokalypse-Blindheit sehr zornig
gemacht hat, versuchte damals zu verstehen, warum die meisten
Menschen apokalypse-blind waren, und sah den Grund darin,
dass die Menschen ihren »eigenen Produkten und deren Folgen
phantasie- und gefühlsmäßig nicht gewachsen sind«. Dass
ihre Vorstellungskraft also nicht reicht, sich das Ausmaß der
möglichen Atomkatastrophe vorzustellen. Anders schrieb, dass
grundsätzlich »das Volumen des Machens und Denkens ad libiturn
ausdehnbar ist, während die Ausdehnbarkeit des VorsteIlens
ungleich geringer bleibt; und die des Fühlens im Vergleich
damit geradezu starr zu bleiben scheint.« Das gilt nicht nur
für die Atombombe, sondern auch für Wohlstandsschuld und
Konsumverstrickung: Unsere Vorstellungskraft ist der Ausweitung
unserer Wirtschaftsbeziehungen nicht gewachsen. Wir
nehmen Teil am weltweiten Handel, ohne uns vorstellen zu können,
was das für die Menschen in den Sweatshops von Bangladesch
bedeutet und für die Coltanhändler im Kongo.
Es ist zu viel und zu weit weg und zu leicht zu verdrängen. Die
Zahl von 246 Millionen Kindern, die in Minen, Sweatshops und
Plantagen dafür schuften, dass wir gut und günstig einkaufen,
bleibt merkwürdig abstrakt. Alle diese Kinder zusammen erregen
kaum unser Mitleid. Doch träfen wir ein einziges von ihnen,
sähen wir, wie es schuftet und friert, oder erzählte uns jemand
seine Geschichte, ginge es uns ans Herz.
Vielleicht hilft das moralische Dilemma, das Günther Anders
vor fünfzig Jahren beschrieben hat, weiter, um unsere Hilflosigkeit
angesichts der globalen Konsumverstrickung zu verstehen.
»Wir sind nicht mehr >Handelnde<, sondern nur Mit-Tuende«,
schrieb Anders damals. Einerseits erwarte man vom arbeitenden
Menschen »hundertprozentiges Mit-Tun«, und zwar auch ohne
dass man ihn in die Ziele des Betriebes eingeweiht habe. Deshalb
brauche er auch kein Gewissen, sondern nur Gewissenhaftigkeit.
Andererseits aber möchte man von ihm verlangen, »dass er
sich in der >Sphäre außerhalb der Betriebswelt< als >erselbst< benehme,
also unmedial, kurz: moralisch«. Damit aber verlange
man vom Menschen, dass er ein schizophrenes Leben führe. Wie
etwa eine Apothekenhelferin, die tagsüber Aspirin verkauft und
abends im Schwarzbuch Markenfirmen liest, dass dessen Hersteller
Bayer unethische Medikamentenversuche finanziert und
Rohstoffe aus Kriegsgebieten importiert. Am liebsten würde
sie ihre Kunden zum Boykott aufrufen, aber das könnte ihren
Job gefährden, also lässt sie es bleiben.
Leo Hickman, ein Redakteur der britischen Tageszeitung The
Guardian, hat versucht, dieses Dilemma zu überwinden, und darüber
ein ganzes Buch geschrieben: Fast nackt. Mein abenteuerlicher
Versuch, ethisch korrekt zu leben. Darin schreibt er, wie
er den Nebel aus Trägheit und Apathie eines Tages nicht länger
ertragen konnte, der ihn davon abhielt, ein gerechteres Leben zu
führen: »Mir stockt der Atem bei den betrüblichen Fakten über
unser verschwenderisches und selbstsüchtiges Leben: dass weltweit
pro Jahr 33 Milliarden Dollar für Kosmetika ausgegeben
werden, während 29 Milliarden Dollar ausreichen würden, den
Hunger auszurotten und alle Menschen mit sauberem Trinkwasser
zu versorgen. Oder dass die Hälfte der Weltbevölkerung
von weniger als zwei Dollar pro Tag überleben muss - weniger
als ich für einen Kaffee auf dem Weg zur Arbeit ausgebe. «So
begann Leo Hickman sein Experiment »ethisches Leben«, das er
in einer Kolumne im Guardian dokumentierte. Er bestellte
sich Berater ins Haus, zwei Vertreter von Umweltorganisationen
und einen Redakteur der Zeitschrift Ethical Consumer, die gemeinsam
mit ihm und seiner Frau das ganze Haus durchforsteten
- was keine angenehme Erfahrung war. Nach ihrem Besuch
räumte Hickman die Küche auf und fühlte sich schlecht: »Alles
was ich in die Hand nahm, jede Dose, jede Flasche, sogar die
leere Salatschüssel aus Plastik, schrie mir ein Schuldig!entgegen.
« Er begann nach ökologisch und politisch korrekten Produkten
zu suchen, und er hielt durch. Sein Experiment sei »wie
die Büchse der Pandora - einmal geöffnet, ist sie nicht wieder zu
schließen.« Das ethische sei jetzt sein normales Leben, und er
habe den Trick gefunden, »mit dem sich das Gefühl vermeiden
lässt, dein Leben sei eine langwierige Übung in Selbstgeißelung
«, resümiert Hickman. Dieser Trick ist die Einsicht: "Nein,
du kannst die Welt nicht eigenhändig retten. Aber du kannst
dich mehr bemühen, als du es gestern tatest. Und, hey, kann sein,
dass du dabei sogar Spaß hast."
Es ist eine Art von Befreiung, so zu leben. Das Gefühl, heillos
in ungute Zusammenhänge verstrickt zu sein und zu tun, was
man eigentlich nicht will, ist unangenehm. Besser fühlt es sich
an, selber zu entscheiden, wer von dem Geld profitiert, das man
beim Einkaufen ausgibt. Diese SO Euro hier kriegt der Biobauer
und nicht Dieter Schwarz, der Lidl-Chef, einer der reichsten
Männer Deutschlands. Und die 1000 Euro aus meinem Munitions-
Fonds bei der Deutschen Bank gehen an einen Solaranlagenbauer.
Leo Hickman hatte den Beginn seines ethischen Lebens immer
wieder verschoben. Etwas an seinem Lebensstil ändern
wollte er schon länger, immer wenn er einen» Zuckerschoten-
Moment« erlebte, »diesen Schub von Schuldgefühlen, der dir
sagt, dass es irgendwie schlecht ist, was du gerade tust - zum
Beispiel, wenn du mitten im Winter ein päckchen frische, grüne
Zuckerschoten kaufst, das per Luftfracht von einem Acker in
Kenia in das Supermarktregal vor dir gebracht worden ist«. Gewöhnlich
hält dieser Zuckerschoten-Moment nicht lange an,
schreibt Hickman, er wird überlagert von den tausend Dingen,
die man gerade noch zu tun hat, deshalb muss »die Grübelei
über Flugzeugabgase, Billiglohnarbeit und Verpackungsmüll «
bis morgen warten. »Aber morgen kommt niemals. Jedenfalls
kam es bei mir nie«, schreibt Hickman. Morgen wird immer
wieder verschoben - das ist der Grund, warum viele ethische
Konsumenten mit ethischem Konsum noch nicht begonnen
haben. Das kurze Gefühl der Empörung über eine von vielen
Konsum-Ungerechtigkeiten donnert wie eine große Welle an
den Strand und verläuft sich dann im Sand. Bloß warum? Und
wie ließe sich die Energie der Wellenutzen, bevor sie verebbt?
»Was hält mich eigentlich davon ab, den Hintern hochzukriegen
und etwas Gutes für die Welt zu tun, egal wie klein es
auch sein mag?«, fragte sich Leo Hickman und fand keine überzeugende
Antwort.119Es gibt tatsächlich keine triftigen Gründe,
so zu tun, als wüsste man nicht, was man weiß, und als könne
man nicht danach handeln. Seit ich vor einigenJahren begonnen
habe, über die Industrialisierung der Landwirtschaft zu schreiben,
kann ich mir nicht mehr vorstellen, nicht im Bioladen zu
kaufen. Dazu habe ich zu viele zusammengequetschte Mastschweineund
Legehennen gesehen.Doch ich weiß seitdem auch,
wie Baumwolle für die Textilindustrie angebaut wird und wie
viele Pestizide auf die Felder gekippt werden müssen, damit sie
gedeiht. Warum um alles in der Welt kaufe ich also noch Kleidung
aus nicht-ökologischer Baumwolle?
Alles, was mir einfällt, überzeugt mich nicht recht: Verzicht
ist natürlich uncool, Verzicht kann man nicht zeigen, und
Haben ist schöner, das ist ein Punkt. Doch korrekter Konsum
hat oft nicht einmal mit Verzichtzu tun, sondern mit der durchaus
lustvollen Erfahrung, das bessereProdukt gekauft zu haben.
Oder den milliardenschweren Discounter-Chefs weitere Gewinne
verweigert zu haben.
Oft aber verdrängen wir unser besseres Wissen aus
allgemeiner Überforderung. Sind wir deshalb
gleichgültigoder apathisch? Ich glaube nicht, dass es nur das ist.
Falsche Einkäufe sind auch eine Folgevon Zeitmangel und Alltagsstress.
Wer in Eile durchs eigene Leben rennt und ständig
tausend Sachen im Kopf haben muss, dem fehlt die Muße zum
Nachdenken über die Folgen des Konsums und die Zeit für die
Recherche, wo es die besseren Sachen gibt. So kommen wir nur
zum Unmittelbaren und vernachlässigendas, was auch bis morgen
warten kann. Vielleicht ist es auch die Ablenkung: Wie viel
Werbung man täglich konsumiert, lässt sich schwer beziffern,
doch es ist eine ganze Menge: Die Zeitungs anzeige, die Radiowerbung,
die Logos auf der eigenen Kleidung, der Flyer im
Briefkasten, die Werbung auf den Bildschirmen in der U-Bahn,
die Werbeplakate, der Kugelschreiber mit dem Schriftzug einer
Firma, die Werbung im Fernsehen, das alles zusammen schafft
eine Art Dauerpräsenz von Kaufmöglichkeiten und überlagert
rasch den Eindruck einer kritischen Reportage. Lese ich, wie der
Ruß aus einem Dieselfahrzeug sich fein in der Luft verteilt und
in Lungen fliegt und dort Krebs auslöst, entsteht in meinem
Kopf das Bild vom Auto als Dreckschleuder. Wie viele Seiten
sexy Autowerbung muss ich anschauen, bis dieses Bild wieder
verwischt ist? Das Auto in der Werbung sieht ja nicht dreckig
aus, ganz und gar nicht. Vermutlich würden wir längst anders
einkaufen, unseren Vorstellungen entsprechend, wenn auf den
Waren Bilder von ihrer Herstellung abgedruckt sein müssten.
Das Bild einer zarten Zwölf jährigen an einer Nähmaschine in
einer langen Reihe von Nähmaschinen in einer sehr großen Fabrikhalle
auf dem Preisschild eines neuen Kleides würde einigen
Mädchen beim Shoppen sicher den Spaß an den neuen Sachen
verderben. Und Bilder von modernen Schweinernastanlagen
machen sich auch gut, um den Appetit auf Biofleisch zu fördern.
Doch geworben werden darf mit allem, was gefällt. Kein Gesetz
verbietet den Abdruck von frei laufenden Weideschweinen auf
einer Packung Industrieschinken. Wenn man Verschwörungstheorien
mag, kann man das als systematische Ablenkung verstehen.
Vielleicht braucht man, um endlich anzufangen, ein starkes
Erlebnis, etwas, das so unter die Haut geht oder das einen so
zornig macht, dass man gar nicht anders kann, als danach konsequent
zu handeln. Ich bin Vegetarierin geworden, weil mir einmal
ein Mastbulle so Leid tat, als er dem Bauern so voller Vertrauen
auf den Hänger folgte, der ihn zum Schlachter fuhr. Das
klingt vielleicht ein bisschen rührselig, aber für mich war es der
Auslöser, über Fleischproduktion und Tierhaltung nachzudenken.
Bei Leo Hickman ist dieses Morgen schließlich gekommen, als
seine Tochter geboren wurde und ihn die großen Sinnfragen einholten.
»Was stelle ich an mit meinem Leben? Bin ich ein guter
Mensch?«
Der Schriftsteller Henning MankeIl hat nach einem
solchen Erlebnis eine Art produktiven Zorn entwickelt, der ihn
veranlasst hat, seinen Roman Kennedys Hirn zu schreiben.
Er handelt von einer schwedischen Archäologin, die entdeckt, dass
ein Pharma-Unternehmen Menschenversuche mit AIDS-kranken
Afrikanern macht. »Vor zwanzig Jahren sah ich im Westen
von Sambia an der Grenze zu Angola einen jungen Afrikaner an
Aids sterben. Es war das erste, aber nicht das letzte Mal«,
schreibt er im Nachwort. »Die Erinnerung an sein Gesicht war
ständig in mir lebendig, während ich dieses Buch plante und
schrieb. Es ist ein Roman, es ist Fiktion. Doch eine Grenze zwischen
dem, was wirklich geschah, ist oft nahezu nicht-existent.«
Und er endet: »Was hier geschrieben steht, ist natürlich ganz
und gar das Ergebnis meiner eigenen Wahl und meiner Entscheidungen.
Genauso, wie der Zorn mein eigener ist, der Zorn,
der mich antrieb.«
Viele wären zornig, wenn sie dabei zuschauen würden, wenn
junge Afrikaner an AIDS sterben, und erst recht, wenn sie wüssten,
dass sich die meisten von ihnen auch deshalb keine Medikamente
leisten können, weil es das internationale Recht den
Pharmaunternehmen gestattet, sie so teuer zu verkaufen, wie sie
wollen, und es anderen Unternehmen zu verbieten, die Medikamente
billiger nachzubauen. Nun passiert das aber gerade nicht:
Wer nicht als Reporter oder für eine Hilfsorganisation nach
Afrika reist, sieht in der Regel nicht die Kehrseite unserer Konsumgesellschaft.
In den Lodges der Nationalparks und in den
palmengesäumten Hotels am Indischen Ozean lässt es sich ebenso
nett konsumieren wie im reichen Westen. Die Kunst für alle, die
nicht nach Afrika fahren oder nach Afghanistan, bestünde darin,
sich das vorzustellen, was sie nicht mit eigenen Augen sehen,
und danach zu handeln.
Manchmal können Bücher oder Filme ein eigenes Erlebnis ersetzen,
Der ewige Gärtner etwa, der Krimi von John Le Carre,
von Fernando Meirelles 2005 verfilmt, der ebenso wie Kennedys
Hirn die Machenschaften der Pharmaindustrie anklagt. Der
ewige Gärtner handelt von einem Pharmakonzern, der Slumbewohner
in Nairobi dazu zwingt, ein neues Tuberkulose-Medikament
zu testen. Es hat tödliche Nebenwirkungen, doch das
soll niemand erfahren, darüber sind sich alle Beteiligten einig,
die Ärzte, die Mitarbeiter der Pharma-Firmen und die Diplomaten.
Als die junge Diplomatenfrau Tessa Quayle die Praktiken
des Konzerns aufdecken will, wird sie ermordet. Man kann
den Film als spannende Unterhaltung konsumieren, man kann
ihn aber auch als Handlungsaufforderung verstehen. Im Nachwort
des Buches versichert John Le Carre, dass er sich alles, was
im Buch vorkommt, ausgedacht habe, doch eines könne er
sagen: Während der Recherchen im pharmazeutischen Dschungel
habe er verstanden, dass seine Geschichte im Vergleich zur
Realität so harmlos sei wie eine Urlaubspostkarte.122 Die sensibleren
unter den Zuschauern hinterlässt der Film einigermaßen
aufgewühlt, mit einem emotionalen Überschuss, der sich nicht
recht entladen kann: Zu gerne hätte man die hübsche kleine Sudanesin,
die mit Ralph Fiennes vor den wild schießenden Rebellen
flieht, gerettet, zu gerne hätte man dem kleinen Jungen geholfen,
das Baby seiner toten Schwester nach Hause zu tragen,
zu gerne hätte man den wartenden AIDS-Patienten gesagt, dass
sie zu gefährlichen Versuchszwecken mißbraucht werden und
an der vermeintlichen Medizin sterben können. Was also tun,
wir würden ja gerne, bloß was?
Es ist leicht zu helfen, wenn klar
ist, was man tun muss. Es ist schwer, wenn es so unklar ist wie
im Falle unserer Konsumverstrickung. Ein Faustschlag hilft da
nicht, man muss mühsam einen Knoten aufdröseln. Beim Einkaufen
anzufangen wäre zumindest ein Anfang.
aus dem Buch von Tanja Busse - Die Einkaufsrevolution
Samstag
Ist politisches Handeln im kleinen Rahmen sinnlos? Ganz und garnicht!



Die Einkaufsrevolution hat begonnen!
Beispiele für die »pauschale Verachtung« der Politik der
kleinen Schritte muss man nicht lange suchen. In dem 2005 erschienenen
Buch Wunschlos unglücklich mäkeln die Autoren
Alexander Meschnig und Mathias Stuhr, der kritische Konsument
sei »eine Mischung aus dem diffus betroffenen Gutmenschen
und dem moralinsauren Oberlehrer«, an anderer Stelle
nennen sie ethischen Konsum eine »Form des Ablasshandels -
gutes Gewissen gegen Geld«, und im Ausblick ihres Buches
schreiben sie: »Das moralische Engagement via Konsum verursacht
in den meisten Fällen keine hohen persönlichen Kosten.
Man wechselt die Tankstelle, kauft Adidas-Schuhe statt Nike,
trinkt Pepsi statt Coca-Cola, isst Nicaragua-Bananen statt Chiquita.
Alle diese Verhaltensweisen geben uns das gute Gefühl,
etwas gegen das Unrecht in der Welt zu tun. So kann man
abends wieder besser einschlafen.
Diese Argumentation ist lange bekannt, sie folgt der religiösen Tradition der Gewissenserforschung und -bewertung und ist der Standardvorwurf gegen
jeden politischen Konsumenten. Auch Spenden aller Art werden
damit gerne als »bürgerliche Gewissensberuhigung« lächerlich
gemacht. Dabei ist die Kritik dreifach perfide: Erstens spricht
überhaupt nichts auf der Welt gegen ein in Teilen beruhigtes Gewissen.
Der Vorwurf ist geradezu absurd: Als würde sich der
Kaffeebauer, der seine Bohnen zu einem fairen Preis verkauft,
darüber grämen, dass er nur deshalb mehr Geld bekommen hat,
weil jemand sein Gewissen beruhigen wollte.
Im Zweifelsfall dürfte es ihn eher freuen. Dass die Welt als Ganze nicht gerecht
ist, weiß er ohnehin.
Zweitens unterstellt der Vorwurf der Gewissensberuhigung
»ohne hohe persönliche Kosten«, dass Engagement
nur in Verbindung mit Opferbereitschaft etwas zähle.
Als ginge es allein um eine moralische Bewertung ! - und nicht um
die Wirkung. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Gerade weil es
uns so wenig kostet, unsere Verbrauchermacht im Sinne von
Weltgerechtigkeit und Umweltkatastrophenverhinderung zu nutzen,
gerade deshalb sollten wir es tun.
Ob aus Gewissens- oder Vernunftgründen tut dabei nichts zur Sache.
Und drittens schwingt dabei die alte Rebellenkritik an kleinen
Schritten zur konkreten Verbesserung mit: Was bedeuten schon
ein paar Kaffeebauern, wenn der Rest der Dritten Welt nach wie vor ausgebeutet wird? Das große Ziel ist doch, eine gerechtere Weltordnung zu etablieren!
Wenn man aus der Konsumrebellenkritik von Heath und Potter eine Lehre ziehen kann, dann diese: Der Ansatz »Ganz oder gar nicht« hat sich im Fall der Kapitalismus- und Konsumkritik als wenig wirkungsvoll erwiesen.
Vielleicht sollte man die Beantwortung der Grundsatzfrage, die
sich ohnehin niemand mehr ernsthaft stellt, vertagen und dafür
sofort mit den kleinen Schritten beginnen, ganz systemimmanent,
und statt sich vergeblich ums Ganze zu kümmern, lieber
erfolgreich die Details verändern.
Es geht um die Wirkung, nicht um die Pose.
»Verführemich,befriedigemich,veränderemich!«
Das ist das Ergebnis von vierzig Jahren Kauf-Kritik: Die Konsumgesellschaft
hat ihre Kritiker gefressen, den Protest absorbiert
und in Produkte verwandelt. Der Markt hat sich auf konsumkritische
Konsumenten eingestellt, neben dem Billig- und
dem Teuersegment gibt es deshalb eben auch einen Markt für
kritische Käufer.
Aus dem Konsum gibt es offensichtlich keinen Ausweg außer wieder hinein. Konsum darf längst wieder gelobt werden: als Mittel zur Steigerung der Binnennachfrage und als
Motor für das Wirtschaftswachstum und sogar als Instrument der Weltenrettung: »Der Konsumismus ist das Immunsystem der Weltgesellschaft gegen den Virus der fanatischen Religionen«, schreibt Norbert Bolz in seinem Konsumistischen Manifest.
Man solle zwar nicht die Augen vor den Folgelasten der
Modernisierung und den Schicksalen der Globalisierungsopfer
verschließen. »Und auch die immanenten Schwächen des konsumistischen
Lebensstils, der vom pursuit of happiness nur den
>happiness of pursuit< übrig lässt, liegen seit langem offen zutage.
Dennoch sei es an der Zeit, so fordert Bolz, die Stärke
in diesen Schwächen zu erkennen: die Eroberung der »diesseitigen
Tiefe«, die Ablenkung von Fanatismen aller Art. Auch bei
Joseph Heath und Andrew Potter taucht dieser Gedanke auf: ob
»vielleicht die Tatsache, dass Konsumdenken andere Formen
von bürgerschaftlichem Engagement verdängt habe, gar nicht so
negativ zu bewerten sei, wenn sich die massenhafte Begeisterung
für solche Schrecken des 20. Jahrhunderts wie Imperialismus und
ethnischen Nationalismus auf diese Weise abkühlen lässt«.
Leider fehlen die Beweise für die schöne Annahme, dass Konsum
zivilisierend und demokratisierend wirke. Auf Westeuropa
scheint das zuzutreffen, dort geht es friedlich zu, seit der Wohlstand
nach dem Zweiten Weltkrieg gewachsen ist. Doch auf die
USA trifft es schon weniger zu, und China und Russland zeigen
seit dem Ende der neunziger Jahre, dass Konsumgesellschaften
auch ziemlich aggressiv und undemokratisch auftreten können.
Seit der amerikanische Ökonom Thorstein Veblen vor über
hundert Jahren den Luxuskonsum der Oberschicht als ehrenhaft
beschrieben hat, sind sich die Soziologen einig, dass Konsum
nicht nur den Konsumierenden glücklich macht, sondern
auch seinen Nachbarn neidisch, und dass dieses Neiderwecken -
vornehmer Distinktion genannt - auch der Zweck des Kaufens
ist. Ob das wirklich dauerhaft die demokratischen Tugenden
stärkt oder von Fanatismen anderer Art ablenkt, ist zumindest
zweifelhaft. Doch nachdem Kulturpessimismus und
Konsumkritik zwei bis drei Jahrzehnte lang die Debatten dominiert
haben, gibt es offensichtlich jetzt das Bedürfnis, das
hemmungslose Einkaufen endlich gut finden zu dürfen.
Konsumismus sei das mächtigste und allgemeinste Dispositiv
unserer Zeit, stellen Meschnig und Stuhr fest. Sogar philosophisch
ist der Konsum inzwischen aufgewertet.
»Im konsumistischen Zeitalter erkennt sich der einzelne im Objekt seines
Konsums. Im Erlebnis des Konsums, in der Wahl der Art
des Erlebens wählt sich das Subjekt selbst«, schreibt der Philosoph
Peter Koslowski.So klingt Kaufen gleich viel weniger banal.
Auf dem Deutschen Trendtag 2004 in Hamburg hat der Tausendsassa unter
den Medientheoretikern, Norbert Bolz, erläutert,wie sich der Konsum im Laufe der letzten Jahrzehnte verändert hat: Ursprünglich diente Konsumieren der Befriedigung von Bedürfnissen oder der Beseitigung eines Mangels, doch damit sei
es jetzt vorbei. »Das wird niemals geschehen, dass irgendein
Mangel Sie auf den Markt treibt, um irgendeinen Kauf zu tätigen
«, erklärte er den versammelten Werbern und Marketing-
Leuten. Warum nicht? »Weil Ihre Bedürfnisse seit langem dauerhaft
befriedigt sind. Ihnen fehlt überhaupt nichts! «
Bolz' Theorie lautet: Früher sagten die Konsumenten zu den
Waren »Befriedige mich!« Als sie alles hatten, sagten sie» Verführe
mich! «, und als das nicht mehr reichte, forderten sie» Verändere
mich!« - am liebsten von Markenprodukten, deren Logos
sie nur zu gerne auf Brüsten und Brillenbügeln herumtragen, um
im Glanze der Marke selbst auch ein bisschen zu leuchten. Dabei
kommt es natürlich drauf an, richtig zu leuchten, damit man
sich von denen abgrenzt, die die falschen Sachen kaufen. Was
Automarken angeht, so ist das lange bekannt, inzwischen jedoch
werden sogar Kinderwagen symbolisch aufgeladen. Wer im
Sommer 2006 seinen Nachwuchs statusgerecht durch die Stadt
schieben wollte, musste das im Bugaboo tun. Die in allen Modefarben
erhältlichen »Luxus-Offroad-City-buggers« des niederländischen
Herstellers seien das »ultimative Statussymbol«
und der »Bentley der Prominenz«, erkannte die Süddeutsche Zeitung
(Feuilleton, 16.7.2006).
Wir haben uns an diesen Zustand des unendlichen Neu-Kaufens so gewöhnt, dass wir gar nicht mehr bemerken, wie erstaunlich das eigentlich ist: Auch wenn
uns eigentlich nichts fehlt, kaufen wir weiter und befriedigen
uns damit sogar Wünsche, von denen wir vor dem Kaufen gar
nicht wussten, dass wir sie hatten.
Tanja Busse, aus Die Einkaufsrevolution...ein Buch das ich allen wärmstens empfehle. Es ist schockierend, es macht Hoffnung, es zeigt uns besonders anschaulich und informativ ohne viel Fachgeschwafel, was wir eigentlich schon wissen und regt uns so zum politischen Handeln im Alltag an.
Freitag
Antwort von G-Star und Clean Clothes
G-Star schreibt:
This is to confirm that your message regarding the ongoing labour dispute at Fibre and Fabrics International (FFI) and Jeans Knit Pvt Ltd (JKPL) has been received.
As you can read from the Dutch and International Clean Clothes Campaign website we are aware of the fact that local labour rights organisations are still being restrained from speaking out on labour issues and we can assure you that we have done everything in our power to get these obstacles removed and we will continue to do so in the future. The CCC, the ICN and the Dutch government are informed about our efforts in this field. If in the end problems remain unsolved, we will not hesitate to stop working with FFI. In addition to quality and design, G-Star attaches great importance to the social aspects of production.
Through CCC and ICN we will keep you informed about the progress we make regarding this issue in the future.
Thank for your attention and with best regards,
G-Star
Kooperation??? Nicht wirklich... Hier die Antwort von Clean Clothes denen ich das Mail weitergeleitet habe:
Es hat Monate gedauert bis G-Star auf die Forderungen der Clean Clothes Kampagne reagiert hat. Die Reaktion - im Februar diesen Jahres hat G-Star einen Brief an das Unternehmen FFI/JKPL geschickt, über dessen Inhalt die Clean Clothes Kampagne nicht in Kenntnis gesetzt wurde. Diese Reaktion als „Zusammenarbeit mit der Clean Clothes Kampagne“ zu bezeichnen, halte ich für übertrieben.So bleiben folgende Forderungen offen:
• To keep up the pressure on FFI/JKPL management and insist that they follow up on the jointly signed letter
• To join hands with other brands and MSIs instead of acting bilaterally• To (continue to) express your concern regarding the failure of FFI/JKPL to respect freedom of association and the right to expression
• To (continue to) call upon FFI/JKPL to immediately embark upon a process of mediated dialogue with the local trade union GATWU and other local labour rights organisations including NTUI, Cividep and Munnade
• To insist that this dialogue takes the form of a series of meetings to ensure follow up. A first meeting should have as objective the normalisation of the relations between FFI/JKPL and the labour rights organisations concerned.
The steps that are necessary to reach a situation of normalised relations should be laid down in detail in a protocol to be discussed at this meeting. The protocol is to be signed by the attending parties which should be witnessed and co-signed by an independent third party accepted by all.
This is to confirm that your message regarding the ongoing labour dispute at Fibre and Fabrics International (FFI) and Jeans Knit Pvt Ltd (JKPL) has been received.
As you can read from the Dutch and International Clean Clothes Campaign website we are aware of the fact that local labour rights organisations are still being restrained from speaking out on labour issues and we can assure you that we have done everything in our power to get these obstacles removed and we will continue to do so in the future. The CCC, the ICN and the Dutch government are informed about our efforts in this field. If in the end problems remain unsolved, we will not hesitate to stop working with FFI. In addition to quality and design, G-Star attaches great importance to the social aspects of production.
Through CCC and ICN we will keep you informed about the progress we make regarding this issue in the future.
Thank for your attention and with best regards,
G-Star
Kooperation??? Nicht wirklich... Hier die Antwort von Clean Clothes denen ich das Mail weitergeleitet habe:
Es hat Monate gedauert bis G-Star auf die Forderungen der Clean Clothes Kampagne reagiert hat. Die Reaktion - im Februar diesen Jahres hat G-Star einen Brief an das Unternehmen FFI/JKPL geschickt, über dessen Inhalt die Clean Clothes Kampagne nicht in Kenntnis gesetzt wurde. Diese Reaktion als „Zusammenarbeit mit der Clean Clothes Kampagne“ zu bezeichnen, halte ich für übertrieben.So bleiben folgende Forderungen offen:
• To keep up the pressure on FFI/JKPL management and insist that they follow up on the jointly signed letter
• To join hands with other brands and MSIs instead of acting bilaterally• To (continue to) express your concern regarding the failure of FFI/JKPL to respect freedom of association and the right to expression
• To (continue to) call upon FFI/JKPL to immediately embark upon a process of mediated dialogue with the local trade union GATWU and other local labour rights organisations including NTUI, Cividep and Munnade
• To insist that this dialogue takes the form of a series of meetings to ensure follow up. A first meeting should have as objective the normalisation of the relations between FFI/JKPL and the labour rights organisations concerned.
The steps that are necessary to reach a situation of normalised relations should be laid down in detail in a protocol to be discussed at this meeting. The protocol is to be signed by the attending parties which should be witnessed and co-signed by an independent third party accepted by all.
Mittwoch
G-Star Zulieferer verweigert Gewerkschaftsfreiheit

Seit einem Jahr hat der holländische Jeanshersteller in Wien eine
eigene Filiale für seine "Raws". In indischen Zulieferbetrieben wird
den organisierten Arbeiterinnen ein Maulkorb verpasst - und die
CCKwurde der Verleumdung angeklagt!
Das im südindischen Bangalore Unternehmen Fibres & Fabrics International
(FFI) und seine Tochterfirma Jeans Knit Pvt. Ltd. (JKPL) produzieren
für renommierte Markenfirmen wie G-Star, Armani
und Mexx. Als die Betriebsgewerkschaften Ende 2005 mit Anklagen über Arbeitsrechtsverletzungen wie Überlastung, erzwungene und nicht bezahlte
Überstunden, körperliche und psychologische Übergriffe mehr und mehr an die Öffentlichkeit traten, ging das Unternehmen in die Offensive. Von einem örtlichen Gericht erreichte es Ende Juli des Vorjahres die Verhängung einer Nachrichtensperre gegen die Gewerkschaften; heuer im Februar wurde diese Verfügung erneuert. Das bedeutet, dass die Gewerkschaften und andere Arbeitsrechts-Organisationen
unter Strafandrohung keine Informationen über die Arbeitsbedingungen in den beiden Betrieben an die Öffentlichkeit tragen dürfen.
"Rassistische" CleanClothesKampagne!!!
Die internationale Clean Clothes Kampagne versucht seit Monaten, FFI/JKPL zu einer Änderung seiner inakzeptablen Politik zu bewegen. Einige Firmen, die dort produzieren, haben zu intervenieren versucht, doch ebenso vergeblich. Die beiden Betriebe sind SA 8000-zertifiziert, was die Arbeitsbedingungen tatsächlich verbessert hat. (Der Social Accountability Standard 8000 ist ein internationales Sozialmanagment-Instrument, das Betriebe aller Branchen zenifiziert; zu seinen
Forderungen gehört auch die GewerkschaftSfreiheit.) SAI, die
für die SA 8000-Zenifizierungen zuständige FIrma, informierte die
Clean Clothes Kampagne, das sie überlegt, die Zenifizierung
zurückzuziehen.
Als Reaktion auf die Aktivitäten der internationalen CCK wurde diese, zusammen mit dem niederländischen Indien- Komitee, von FFI des "Cyber- Verbrechens, rassistischer und fremdenfeindlicher Handlungen und krimineller Verleumdung" angeklagt und muss sich am 25.Juni vor einem Gericht in Bangalore, der Hauptstadt des Bundesstaates
Karnataka, verantworten.
Es ist das erste Mal in der Geschichte der Clean Clothes
Kampagne, dass sie wegen ihrer Aktivitäten von einem
Unternehmen angeklagt wird!
SENDENSie eine Petition an die
Unternehmen auf
www.cleanclothes.at
Sie können aber auch das
G-Star-Geschäft: in Wienbesuchen
(7., Neubaugasse 12-14, Tel.01/890
42 04) und sich erkundigen, wieso
das renommierte holländische
Unternehmen derartige Verletzungen
der Gewerkschaftsfreiheit bei
einem Zulieferbetrieb akzeptiert!!!
Übrigens könnt ihr auch ein Email oder Post an G-Star in Holland schreiben ( könnt auch mein Beispiel unten abschicken):
csr@g-star.com
G-Star International B.V.
Attn.: CSR Department
Keienbergweg 100
1101H Amsterdam
Netherlands
http://www.g-star.com/flash/content.html
Dear G-Star Managment
How is it possible that such utter violations of your Codes of conduct happen in the South of India, in Bangalore, commited by companies that deliver to an international enterprise like G-Star?
I would very much like to know how you handle the fact that people work under terrible conditions and are being exploited and made mouth-shut as officially stated and reported by Clean Clothes!!!
Knowing this I will definitely not buy any of your products anymore and will inform all of the people I know and ask them to do the same.
To me it is hipocrisy to publish a list of codes of conduct on your webpage and not stick to it at all when it comes to your delivery companies like FFI and JKPL.
How can you support this kind of exploitation and contribute to making those workers shut-up about telling the truth about the bad conditions they are exposed to?
Thank you for your attention
Sonntag

Nachtzug nach Lissabon
Plötzlich war Schluss. Raimund Gregorius, von seinen Schülern liebevoll „Mundus“ genannt, Lateinlehrer und Altsprachengenie an einem Berner Gymnasium, war unzweifelhaft aus dem Tritt geraten. Er war sich nicht einmal sicher, ob die Frau, die heute Morgen auf der Brücke im strömenden Regen einen Brief zerknüllt hatte, wirklich hatte springen wollen. Gregorius, auf das Schlimmste gefasst, war zu Hilfe geeilt. „Português“, hatte sie zerstreut auf seine Frage nach ihrer Muttersprache geantwortet und dem Verblüfften eine Telefonnummer auf die Stirn gekritzelt. Die Fremde verschwand so schnell, wie sie in sein Leben getreten war. Eine Idee blieb zurück. Wenig später war Mundus, die „museale Gestalt“, dieser in Ehren ergraute Ausbund an Korrektheit und Tüchtigkeit, für immer aus dem Klassenzimmer geflohen.
„Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist -- was geschieht mit dem Rest?“ Die Worte des portugiesischen Arztes und Poeten Amadeu de Prado, gefunden in einem Antiquariat, hatten Gregorius wie einen Schlag getroffen. Erneut wies die Spur nach Portugal. Der Nachtzug nach Lissabon sollte ins Licht führen. Fortan würde Gregorius die Gedankenwelt des Arztes und Widerstandskämpfers gegen das Regime Salazars nachempfinden. Lebenserfahrungen und unbequeme Fragen, die wie an Gregorius persönlich gerichtet klangen. Tiefer und tiefer geht die Reise -- und führt schließlich in die gefährlich eisigen Grenzregionen der Persönlichkeitsspaltung.
Wählte Martin Walser in seinem Werk Der Augenblick der Liebe den geschmähten Philosophen La Mettrie zum Sprachrohr seiner innersten Befindlichkeit, so benutzt Mercier die geschliffenen Existenzfragen de Prados als Motor seines Romans. Vergleiche mit Nabokov und Kafka wurden bereits angestellt. Auch an Umberto Eco fühlen sich einige erinnert, hat doch der Berner Peter Bieri, der seine Erfolgsromane Der Klavierstimmer und Perlmanns Schweigen als Pascal Mercier zeichnete, in Berlin einen Lehrstuhl für analytische Sprachphilosophie inne.
Sprache, die das Innerste aufschließt. Mercier ist ein Roman von betörender und träumerischer Schwere gelungen, angesiedelt im Tropengebiet der Melancholiker. Die Rückfahrt wird nicht leicht werden. --Ravi Unger
Meditation und spiritueller Materialismus DE/ ES
Nach der buddhistischen Tradition entspricht der spirituelle
Weg dem Vorgang, unsere Verwirrung zu durchschneiden und
gleichzeitig den erwachten Geisteszustand zu enthüllen. Wenn der
erwachte Geisteszustand durch das Ego und die mit ihm verbundene
Paranoia bedrängt wird, nimmt er das Wesen eines Grundinstinktes
an. Es kann also nicht darum gehen, den erwachten
Geisteszustand zu entwickeln, sondern vielmehr darum, die Täuschungen
auszulöschen, unter denen er sich verbirgt. Während
dieses Vorgangs erfahren wir Erleuchtung. Würde dieser Prozeß
anders verlaufen, so wäre der erwachte Geisteszustand ein Ergebnis
aus Ursache und Wirkung und von daher der Vergänglichkeit
unterworfen. Alles Erschaffene muß, früher oder später, vergehen.
Würde Erleuchtung auf eine solche Art und Weise entstehen,
so bliebe dem Ego immer die Möglichkeit, sich wieder zu behaupten
und eine Rückkehr in den verwirrten Zustand herbeizuführen.
Erleuchtung ist von Dauer, weil wir sie nicht erschaffen, sondern
lediglich entdeckt haben. In der buddhistischen Überlieferung
wird häufig das Auftauchen der Sonne aus den Wolken hervor als
Analogie verwendet, um damit das Entdecken von Erleuchtung
zu erklären. In der Meditationspraxis beseitigen wir die durch das
Ego hervorgerufene Verwirrung, damit wir einen kurzen Blick auf
den erwachten Zustand werfen können. Das Fehlen von Unwissenheit,
von innerer Bedrängnis und Paranoia eröffnet einen
überwältigenden Ausblick auf das Leben.
Man entdeckt eine ganz andere Art und Weise von Existenz.
Das Kernstück der Verwirrung besteht darin, das Gefühl von
einem "Selbst" zu haben, das uns als beständige und feste Größe
erscheint. Wenn ein Gedanke oder eine Empfindung oder ein
Ereignis auftaucht, ist das Gefühl vorhanden, daß es da jemand
gibt, der sich des Geschehens bewußt ist. Danach bist du es, der
diese Worte hier liest. Dieses Gefühl von einem "Selbst" ist
tatsächlich nur ein vorübergehender, zusammenhangloser Vorgang,
der uns in unserer Verwirrung jedoch als ziemlich greifbar
und dauerhaft erscheint. Da wir unsere verwirrte Sichtweise als
Realität betrachten, sind wir mit allen Kräften darauf bedacht,
dieses feststoffliche Selbst zu bewahren und weiter zu verstärken.
Wir suchen es mit Lustgefühlen zu nähren und vor Schmerzen zu
bewahren. Dabei droht uns ständig die Erfahrung, unsere Vergänglichkeit
zu enthüllen, und so machen wir unausgesetzte
Anstrengungen, alles das zu verbergen, was unsere wirkliche
Situation erkennen ließe. Wir könnten aber die Frage stellen:
"Warum wollen wir denn unbedingt vermeiden, wenn unser
wirkliches Sein ein erwachter Zustand ist, uns darüber bewußt zu
werden?" - Deshalb, weil wir in unserer verwirrten Sichtweise der
Welt derart befangen sind, daß wir diese als real und die einzig
mögliche Welt betrachten. Dieser beständige Kampf, die Vorstellung
von einem unverrückbaren und dauerhaften "Selbst" aufrechtzuerhalten,
ist die Wirkungsweise des Ego.
Das Ego ist dazu in der Lage, alles, selbst die Spiritualität, zu
seinem eigenen Nutzen umzuwerten. Wenn wir beispielsweise in
der spirituellen Praxis eine uns besonders zuträgliche Meditationstechnik
erlernt haben, dann nimmt das Ego die Haltung ein, diese
zunächst als faszinierendes Objekt zu betrachten und sie dann
genauestens zu untersuchen. Da das Ego aber als etwas Feststoffliches
erscheint und es nichts wirklich aufnehmen kann, bleibt ihm
schließlich nur die Nachahmung. Daher versucht es, die Meditationspraxis
und eine meditative Lebensweise zu ergründen und zu
imitieren. Wenn wir sämtliche Tricks und Antworten im spirituellen
Spiel erlernt haben, suchen wir Spiritualität unbewußt nur
noch nachzuäffen. Ein echtes Engagement würde nämlich die
völlige Aufgabe des Ego erfordern - und das ist wirklich das
Allerletzte, was wir uns wünschen. Wir können das jedoch nicht
erfahren, was wir nur zu imitieren versuchen. Wir können innerhalb
der Begrenzungen des Ego nur einen Bereich finden, der
damit identisch zu sein scheint. Das Ego überträgt alles in die
Begrifflichkeit seines eigenen Zustandes, seiner eigenen inneren
Qualitäten. Es empfindet Aufregung darüber, daß es ein solches
Verhaltensmuster hat erschaffen können, denn schließlich hat es
eine greifbare Leistung zustande gebracht, eine Bestätigung seiner
Individualität.
Es gibt eine Reihe von Mißverständnissen und falschen Vorstellungen
hinsichtlich der Meditation. Manche betrachten sie als
einen tranceähnlichen Geisteszustand, andere halten sie für eine
Art von Training im Sinne einer Gedanken-Gymnastik. Doch
Meditation ist nichts von beidem, wenn sie auch damit zu tun hat,
sich mit neurotischen Formen des Geistes auseinanderzusetzen.
Die Beschäftigung mit der neurotischen Geistesverfassung ist
weder schwierig noch unmöglich. Sie weist Energie und Geschwindigkeit
auf, die einem bestimmten Strukturmuster folgen.
Die Meditationspraxis bedeutet, dabei loszulassen, sie kommt
dem Versuch gleich, eins mit diesem Strukturmuster, eins mit der
Energie und Geschwindigkeit zu werden. Auf diese Art und
Weise lernen wir, uns mit diesen Faktoren zu befassen und eine
Beziehung zu ihnen herzustellen. Dies hat nicht den Sinn, daß sie
sich unseren Vorstellungen entsprechend entwickeln, sondern
damit wir sie als das erkennen, was sie sind, und mit ihrem Muster
umgehen können.
In einer Geschichte über Buddha wird erzählt, wie er einmal
einen berühmten Sitarspieler belehrte, der Meditation erlernen
wollte. Der Musiker fragte: "Soll ich meinen Geist unter Kontrolle
halten oder ihn völlig loslassen?" Buddha antwortete: "Sag mir,
da du ein großer Musiker bist, wie würdest du die Saiten deines
Instrumentes stimmen?" Der Musiker sagte: "Ich würde sie weder
zu fest noch zu locker spannen." "Genauso", entgegnete Buddha,
"sollst du in deiner Meditationsübung deinem Geist weder gewaltsam
etwas aufzuzwingen noch ihn umherwandern lassen." Das ist
die Lehre, den Geist auf eine ganz offene Art und Weise einfach
sein zu lassen, den Energiestrom zu spüren, ohne ihn unterdrücken
oder völlig aus der Kontrolle verlieren zu wollen, und so dem
Energiemuster des Geistes zu folgen. Das bedeutet Meditationspraxis.
Es ist wichtig zu erkennen, daß das Hauptziel jeder spirituellen Praxis darin besteht, sich der Bürokratie des Ego zu entziehen.
Das heißt, das ständige Verlangen des Ego nach einer höheren,
spirituelleren, transzendenteren Version von Wissen, Religion,
Tugend, Einsicht, Trost oder was immer dieses besondere Ego
auch suchen mag, nicht mehr zu unterstützen. Wir müssen aus
dem spirituellen Materialismus aussteigen. Wenn wir dies nicht
tun, sondern diesen sogar noch praktizieren, werden wir uns
schließlich möglicherweise im Besitz einer riesigen Kollektion von
spirituellen Wegen wiederfinden. Wir werden diese spirituelle
Sammlung vielleicht sogar noch für sehr kostbar halten. Wir
haben uns mit so vielen Dingen beschäftigt, abendländische oder
östliche Philosophie studiert, Yoga praktiziert oder vielleicht
unter Dutzenden von großen Meistern Forschungen betrieben.
Wir haben gelernt und es zu etwas gebracht. Wir glauben, einen
Wissensschatz angesammelt zu haben. Und doch bleibt nach
alledem immer noch etwas aufzugeben. Das ist höchst mysteriös!
Wie könnte das sein? Unmöglich! Doch leider ist es so. Unsere
riesige Sammlung von Wissen und Erfahrung ist nur Teil der
größenwahnsinnigen Eigenschaft des Ego, das sie zur Schau stellt.
Wir zeigen sie vor der Welt und wir geben uns damit das beruhigende
Gefühl, als "spirituelle" Menschen heil und sicher zu
existieren.
Doch wir haben lediglich einen Laden für Antiquitäten eröffnet.
Wir könnten uns auf östliche oder mittelalterlich-christliche
Antiquitäten oder Kunstschätze aus einer anderen Epoche oder
Kultur spezialisiert haben, doch trotzdem führen wir nur einen
Laden. Bevor wir diesen mit so vielen Dingen vollgestopft haben,
war es ein schöner Raum: weißgetünchte Wände, ein ganz schlichter
Fußboden mit einer hell brennenden Lampe an der Decke.
Mitten im Raum stand ein einziges Kunstwerk. Jeder, der eintrat,
bewunderte seine Schönheit, auch wir selbst.
Doch wir gaben uns damit nicht zufrieden und dachten: "Wenn
dieser eine Gegenstand meinen Raum so schön macht, wird er
sicher noch schöner wirken, wenn ich mehr Antiquitäten besorge."
So begannen wir zu sammeln, und das Endergebnis war ein
Chaos.
Wir durchforschten die ganze Welt nach schönen Objekten-
Indien, Japan, viele verschiedene Länder. Jedesmal, wenn wir ein
antikes Stück fanden, hielten wir es für beeindruckend und
glaubten, daß seine Schönheit auch in unserem Laden voll zur
Geltung kommen werde, denn wir beschäftigten uns zur gleichen
Zeit ja immer nur mit einem einzigen Objekt. Doch als wir dieses
dann nach Hause brachten und dort aufstellten, wurde es nur ein
weiterer Zuwachs unserer Trödelsammlung. Es strahlte keine
Schönheit mehr aus, weil es von so vielen anderen herrlichen
Dingen umgeben war. Es hatte jegliche Bedeutung verloren.
Anstelle eines Raumes voll erlesener Antiquitäten hatten wir
einen Ramschladen geschaffen!
Richtiges Einkaufen heißt nicht, eine Menge von schönen oder
informativen Dingen anzusammeln, sondern es schließt ein, jedes
einzelne Objekt voll und ganz zu würdigen. Das ist sehr wichtig.
Wenn wir einen schönen Gegenstand wirklich schätzen, dann
identifizieren wir uns völlig damit und vergessen darüber uns
selbst. Das ist wie bei einem sehr faszinierenden Film, wenn wir
vergessen, daß wir nur Zuschauer sind. In einem solchen Augenblick
existiert die Welt nicht mehr, und unser ganzes Sein ist eins
mit jener Filmszene. Diese Art von Identifikation bedeutet die
vollkommene Versenkung in eine Sache. Haben wir dieses eine
Kunstwerk, diese eine spirituelle Lehre tatsächlich in ihrem
Geschmack erlebt, sie gründlich gekaut und richtig in uns aufgenommen?
Oder haben wir sie lediglich als Teil unserer großen und
ständig wachsenden Sammlung betrachtet?
Ich hebe diesen Punkt deshalb so besonders hervor, weil ich
weiß, daß wir alle nicht aus dem Grund von den Lehren und der
Meditationspraxis angezogen worden sind, um damit viel Geld zu
verdienen, sondern weil wir wirklich lernen und uns weiterentwickeln
möchten. Wenn wir Wissen jedoch als eine Antiquität, als
"alte Weisheit" betrachten, die wir sammeln können, dann sind
wir auf dem falschen Weg.
*********
Segun la tradición budista, el sendero espiritual es el
proceso por el cual cortamos [nos abrimos paso,
literalmente] un camino a traves de nuestra confusión y
descubrirnos el estado mental despierto. Cuando este
despertar innato del pensamiento se ve invadido por el
ego y por la correspondiente paranoia, se toma en un
instinto latente. De manera que no se trata de desarrollar
la condición de despierto sino de quemar las confusiones
que la oscurecen. En el proceso de quemar hasta
consumir estas confusiones es que se descubre la
ilurninación o el despertar. Si el proceso tuviera lugar de
otra manera, la condición de despierto seda un producto,
dependeda del principio de causa y efecto, y seda, por
tanto, susceptible de desaparecer. Todo cuanto es creado
ha de perecer tarde o temprano. Si la iluminación fuera
creada, siempre cabía la posibilidad de que el ego se
impusiera nuevamente y nos llevara de vuelta al estado
original de confusión. La iluminación es permanente
porque no la hemos producido; solamente la hemos
descubierto. En la tradición budista se utiliza a menudo la
analogia del Sol que asoma por detras de las nubes para
explicar el descubrimiento de la iluminación. En la
practica de la meditación despejamos la confusión del ego
a fin de entrever el estado del despenar. La ausencia de
paranoia nos abre los ojos a una visión extraordinaria de
la vida. Se descubre una nueva manera de ser.
El núcleo de la confusión estriba en que el hombre cree tener un yo que le parece algo continuo y sólido. Cada vez que surge un pensamiento o una emocion u ocurre algún acontecimiento, se tiene la sensación de que alguien toma conciencia de lo que sucede. Siento que yo leo estas palabras. Pero en este sentido del yo en realidad un hecho transitorio y discontinuo, que dada nuestra confusión, nos parece sólido y continuo.
Como tomamos nuestra vision confusa como una realidad, luchamos por
mantener y acrecentar este yo sólido y continuo. Tratamos de alimentarlo con placeres y protegerlo del dolor. La experiencia amenaza constanternente con revelarnos nuestra transitoriedad; por tanto, luchamos incesamente por encubrir toda posibilidad de descubrir nuestra condicion verdadera. "Pero",preguntarán ustedes, "si nuestra condicion verdadera es la del despertar ?por qué nos empeñamos en evitar todo reconocirnento de ella?" Porque vivimos muy absortos en nuestra vision confusa de! mundo, nos parece real, el único mundo posible. Esta lucha por mantener el sentido de un yo solido y continuo es obra del ego.
El ego puede apropiarse illicitamente de cualquier cosa para uso propio induso de la espiritualidad. Por ejemplo, si uno se entera de alguna tecnica contemplativa que sea beneficiosa corno practica espiritual, entonces el ego comienza por considerarla meramente corno un objeto fascinante y luego como un objeto de estudio.
Finalmente sólo podrá imitarla, porque el ego es como si fuera algo solido que no puede absorber nada. Asi, el ego trata de estudiar y remedar las practicas de la meditacion de la vida contemplativa. Cuando conseguimos aprender todos los trucos y las respuestas del juego espiritual, buscamos producir automiticamente una mímica de la espiriualidad porque el compromiso verdadero, la verdadera espiriualidad, nos exigiria la diminacion del ego y, en realidad, lo ultimo que quisieramos hacer es renunciar al ego. Pero es imposible apropiarse de la experiencia si tan solo se la recrea con mimica; lo unico que se logra es identificar una zona del
ego que parezca corresponder a esa experiencia. Asi, el ego traduce cuanto recibe a sus propios terminos, a su propio concepto de salud, a las cualidades que le son propias.Tambien obtiene cierto sentido de triunfo, de gran hazana, cierta excitacion ante el hecho de haber recreado dentro de si mismo el patron de la experiencia que imita; por fin ha producido un logro tangible, que le confirma
su propia individualidad.
Hay muchos conceptos erróneos sobre la meditación.
Algunos la consideran un estado mental hipnótico. Otros
la conciben corno algún tipo de entrenamiento, como
una gimnasia mental. Pero la meditación no es ninguna
de estas cosas, aunque enrrafia tratar con los estados
neuróticos de la mente. No es dificl, ni mucho menos
imposible, aprender a tratar con el esrado mental
neurótico. Tiene una fuerza, una rapidez y una
configuración determinadas. La pracrica de la meditación
consiste en dejar ser, en tratar de seguir la configuración,
en acoplarse a la fuerza y al ritmo del estado mental. Asi
aprendemos a tratar con estos hechos; aprendemos que
tipo de relaci6n hemos de tener con ellos, no en el
senrido de conducirlos hasta el desenlace que le
querriamos dar, sino de conocerlos tal corno son, de saber
acoplar nuestros esfuerzos a su configuración.
Se cuenta que cierra vez el Buda instruia a un músico,
maestro de sitar que quería practicar la meditación.
El músico le preguntó:
-Debo refrenar mis pensamientos o los dejo correr
desenfrenados?
-Tu eres un gran musico -le respondi6 el Buda-.
Dime, pues, cómo se afina tu instrumento?
-Se aprietan las clavijas de manera que las cuerdas no
queden ni muy tensas ni muy sueltas -contest6 el mUsico.
-Lo mismo debes hacer -dijo el Buda- en tu
meditación. No trates de imponerte violentamente al
pensamiento, pero tampoco lo dejes vagar a la deriva.
En esta anecdota se resume la ensenanza de dejar que
la mente siga un curso abierto, de sentir el flujo de
energía de la mente sin intentar de juzgarlo y sin dejarlo
correr desenfrenado, de seguir el ritmo de la energia del
pensamiento. En esto consiste toda la practica de la
meditación.
Es importante comprender que el proposito
principal de cualquier practica espiritual es escapar de
la burocracia del ego; esto significa salir del deseo
constante que tiene el ego de alcanzar versiones mas
elevadas de conocimiento, religiosidad, virtud, buen
juicio, comodidad o cualquier otro objetivo que se haya
fijado el ego corno meta de su busqueda. Hay que salir,
pues, del materialismo espiritual. Si no nos colocamos
fuera de el, si nos dedicamos a practicarlo, entonces a la
larga nos veremos esclavizados por una coleccion
inmensa de vías espirituales. Creeremos que esta
coleccion espiritual es valiosfsima. Nos deleitaremos
entonces con todo lo que hayamos estudiado. Puede
que hayamos estudiado la filosofía occidental o la
filosofía oriental, que hayamos practicado el yoga o que
quizas hayamos estudiado bajo docenas de maestros
espirituales. Habremos alcanzado o aprendido mucho y
creemos entonces que hemos acumulado un gran tesoro
de sabiduría. Sin embargo, despues de pasar por todo
esto todavía quedara algo a lo que habra que renunciar.
Este es el gran misterio. ?Como puede suceder esto?
Parece imposible. Pero desgraciadamente asf es. Nuestra
vasta coleccion de sabiduria y experiencia es parte del
especticulo del ego, parte de la cualidad ostentativa del
ego. Se lo exhibimos al mundo y al hacer esto nos
aseguramos a nosotros mismos de que existimos.
Seguros y protegidos en nuestro papel de personas
espirituales. Pero hemos creado solamente un almacen de
antigüedades.
Puede ser que nos especialicemos en antigüedades orientales, en antigüedades del medioeval cristiano o en antigüedades de alguna otra civilizacion o
epoca, pero en todo caso seremos meros comerciantes.
Antes de abastecer nuestra tienda con tantos tesoros, el
lugar era precioso, las paredes encaladas, un piso sencillo y
sólo una lampara encendida en el techo; en el centro de la
habitacion' habfa solamente una obra de arte y era
bcllfsima. Todos los que visitan a la tienda admiraban su
belleza incluso nosotros mismos.
Pero no estabamos satisfechos y pensabamos que
porque aquel objeto embelleda la tienda de tal manera, si
pudiéramos sobtener aun mas antigüedades la habitaci6n
seda aun mas bella. Asi comenzamos a coleccionar y el
resultado final fue el caos.
Buscamos objetos preciosos por todo el mundo.
Fuimos a la lndia, al Japón y a muchos otros paises, y cada
vez que encontrabamos una antigüedad nos parezca
preciosísima y pensábamos que se veía muy bella en
nuestra tienda porque nos ocupabamos de un solo objeto
a la vez, pero cuando la traíamos a nuestra tienda y la
colocábamos ahi se convertia meramente en un objeto
mas en nuestra coiecci6n de baratijas. EI objeto ya no
irradiaba belleza como antes; estaba rodeado de tantos
objetos bellos que ya no significaba lo mismo para
nosotros. En vez de un salón lleno de antigüedades bellas
habiamos creado una tienda de baratijas.
La adquisición correcta no significa coleccionar una
gran cantidad de información o de belleza, sino que
supone la apreciación plena de cada objeto espiritual.
Esto es sumamente importante. Si apreciamos
cabalmente un objeto herrnoso, entonces nos
identificamos completamente con el, nos olvidamos de
nososotros mismos. Es como ver una pelicula interesante
o fascinante y olvidarnos de que somos meros
cspectadores. En tales momentos no existe el mundo,
todo nuestro ser es la escena que estamos mirando. Es
este tipo de identificaci6n [el que buscamos], el
cornpromiso total con una sola cosa. [Debemos
preguntarnos, pues:] "~Hemos probado realmente,
hemos rnasticado, tragado y digerido plenamente el
objeto de belleza que contemplamos, es decir, la
ensefianza espiritual? o, por el contrario, lo hemos
adquirido meramente como parte de una vasta
colecci6n que nunca termina de crecer?"
Pongo tanto enfasis en este punto porque se que todos
nosotros nos hemos acercado a las enseñanzas y a la
practica de la meditación no por el dinero, sino por un
interés genuino de aprender, un deseo de crecimiento
espiritual. Pero si consideramos el conocimicmo espirirual
como una antigüedad, como una curiosidad, como una sabiduría arcana
que debemos coleccionar, entonces hemos tomado el sendero equivocado.
Chogyam Trungpa, 1970
Freitag
20 Rules for Writers

1. Have faith--not cynicism
2. Dare to dream
3. Take your mind off publication
4. Write for joy
5. Get the reader to turn the page
6. Forget politics (let your real politics shine through)
7. Forget intellect
8. Forget ego
9. Be a beginner
10. Accept change
11. Don't think your mind needs altering
12. Don't expect approval for telling the truth -
(Parents, politicians, colleagues, friends, etc.)
13. Use everything
14. Remember that writing is Heroism
15. Let Sex (The Body, the physical world) in!
16. Forget critics
17. Tell your truth not the world's
18. Remember to be earth-bound
19. Remember to be wild!
20. Write for the child (in yourself and others)
There are no rules
Erica Jong
Die Einkaufsrevolution

Wenn niemand Eier aus Legebatterien kauft, Schnitzel von industriell gehaltenen Mastschweinen isst, Kleidung aus den Sklavenbetrieben Chinas trägt und kein Mensch von Kindern geknüpfte Teppiche kauft, werden diese Produkte vom Markt verschwinden. Eine Wirtschaftsjournalistin redet Klartext. Es gilt, sich als Verbraucher wieder ein Stück Würde zurückzuerobern. Würde, die in der Billigökonomie verloren gegangen ist. Wer will schon Teil einer menschenverachtenden Wirtschaftspraxis sein? Eines ist sicher: Die Wirtschaft wird nicht untergehen, wenn die Einkaufsrevolution losbricht. Im Gegenteil: Sie wird weiter nur dem Kunden dienen.
Kaufentscheidungen für vertretbare Produkte sind kein Anschlag auf die freiheitlich-wirtschaftliche Grundordnung, sondern die Voraussetzung für eine funktionierende Wirtschaft. Denn - und daran erinnert die Wirtschaftsjournalistin völlig zu Recht -- der Markt wird nicht kollabieren, wenn Verbraucher verantwortungsbewusst für Mensch und Umwelt einkaufen. Der Markt wird sich ändern. Flexibel wie „der Markt“ nun einmal im freien Kapitalismus ist, wird er sich auf die kritische Nachfrage einstellen -- und ethisch und ökologisch vertretbare Produkte anbieten.
Der Konsument muss nur seine Macht wieder nutzen. Nicht um den Markt zu retten, sondern um sich ein gewisses Maß an Würde zurückzuerobern, die er als „freiwilliger Untertan des Marktes“ aufgegeben hat. „Politischer Konsum bedeutet die Ausweitung der Politik auf den Markt in einer Zeit der Ausweitung der Märkte“, schreibt Busse. Und diese Märkte sind eben nicht nur ein bisschen wild geworden, nein, sie sind inakzeptabel. Genau darum ist die „Einkaufsrevolution“ so wichtig, erinnert sie doch an den großen Unterschied. Denn anders als die Kinderarbeiter und modernen Sklaven in so genannten Schwellenländern verfügt der Konsument in einem Land wie Deutschland über Macht: Die Macht der Entscheidung und die Macht des Geldes. Er muss sie nur einsetzen. -- Barbara Friedhelmi
Kurzbeschreibung
WEHE, WENN WIR RICHTIG KAUFEN!
Geiz ist geil, und Shoppen macht Spaß. Aber ist Einkaufen wirklich nur ein Privatvergnügen? Oder ist es, aller Werbung und Imagepflege zum Trotz, eine Entscheidung so wichtig wie jede Kanzlerwahl? Interessiert uns wirklich nicht, warum ein handgewebter Teppich 1,95 Euro kostet und wo die vier Euro für den Starbucks-Kaffee landen? Tanja Busse deckt Skandale der modernen Produktion und Preispolitik auf und zeigt, wie der Konsument als gesellschaftliche Macht der Zukunft Einfluss nehmen kann. Im praktischen Teil gibt sie konkrete Tipps, wo und wie verantwortungsvoller Konsum möglich ist.
Der aufgeklärte Konsument wird der Gegenspieler der globalen Wirtschaftsmächte werden. Denn tatsächlich reagieren Unternehmen auf verändertes Kaufverhalten wesentlich prompter als auf jeden neuen Gesetzesentwurf. Wir tun zwar gern so, als wären es gänzlich unbeeinflussbare wirtschaftliche Prozesse, die festlegen, wo was und wie produziert wird. In Wahrheit aber sind wir selbst es, die mit unserem Kaufverhalten die Standards der Produktion bestimmen. Wenn wir die Textilprodukte nicht mehr kaufen, die in einer der so genannten "Exportproduktionszonen" in China oder Indonesien hergestellt werden, wo die Unternehmen keine Steuern und Zölle zahlen, und (Wander-) Arbeiter keine Rechte haben und Hungerlöhne beziehen, dann werden diese Produkte so auch nicht mehr produziert. Wenn wir den Orangensaft aus dem in Brasilien hergestellten Konzentrat nicht kaufen oder die Schokolade verschmähen, deren Rohstoffe in Afrika unter skrupellosem Einsatz von Kindern gewonnen werden, so verschwinden diese Marken vom Markt. Auch die Spielzeugindustrie und die Pharmaindustrie werden Umweltgifte nur solange einsetzen, wie wir ihnen die entsprechenden Produkte abkaufen. Die von Lobbyisten weichgespülten EU-Richtlinien oder der Verbraucherschutz können uns die Verantwortung nicht abnehmen. Tanja Busse beleuchtet kritisch die Geschichte der in den sechziger Jahren einsetzenden Konsumkritik, legt ein theoretisches Fundament für ein zeitgemäßes Selbstverständnis des Verbrauchers und zeigt auf, wie die Industrie mit Kundenprofilen und RFID-Chips ihrem Ideal des gläsernen Kunden näher kommt. Ihr Buch hilft dem Konsumenten, sich seiner Macht bewusst zu werden und von ihr sinnvoll Gebrauch zu machen.
mythic spiritualism versus mystic spiritualism
Interview between Edith Zundel (Die Zeit) and Kenn Wilber, north-american philosopher
EDITHZUNDEL: Our readers and I are particularly
interested in the interface between psychotherapy and religion.
KENWILBER:And by religion you mean what? Fundamentalism
Mysticism? Exoteric? Esoteric?
EZ: Well, that's a good place to start. In A Sociable God you give,I
believe, nine different definitions of religion,or nine different ways the
word religion is used.
KW: Yes, well, my point was that we really can't talk about science and religion or psychotherapy and religion or philosophy and religion until we decide just what it is we mean by the word religion. And for our purposes right now I think we must at least distinguish between what is known as exoteric religion and esoteric religion. Exoteric or "outer" religion is mythic religion, religion that is terribly concrete and literal, that really believes, for example, that Moses parted the Red Sea, that Christ was born from a virgin, that the world was created in six days, that manna once literally rained down from heaven, and so on.Exoteric religions the world over consist of those types of beliefs. The Hindus believe that the earth, since it needs to be supportecl, is sitting on an elephant which, since it needs to be supported, is sitting on a tortoise which in turn is sitting on a serpent. And to the question, "On what, then, is the serpent sitting?" the answer is given, "Let us now change the subject." Lao Tzu was nine hundred years old when he was born, Krishna made love to four thousand cow maidens, Brahma was born from a crack in a cosmic egg, and so on. That's exoteric religion,a series of belief-structures that attempt to explain the mysteries of the world in mythic terms rather than direct experiential or evidential terms.
EZ: So exoteric or outer religion is basically a matter of belief, not
evidence.
KW: Yes. If you believe all the myths, you are saved; if not, you go to
Hell-no discussion. Now you find that type of religion the world over-fundamentalism. I have no quarrel with that; it's just that that type of religion, exoteric religion, has litde to do with mystical religion or esoteric religion or experimental religion, which is the type of religion or spirituality that I'm most interested in.
EZ: Esoteric means what?
KW: Inner or hidden. The reason that esoteric or mystical religion is hidden is not that it is secret or anything, but that it is a matter of direct experience and personal awareness. Esoteric religion asks you to believe nothing on faith or obediently swallow any dogma. Rather, esoteric religion is a set of personal experiments that you eonduet scientifieally in the laboratory of your own awareness. Like all good science, it is based on direct experience, not mere belief or wish, and it is publicly seeked or validated by a peer group of those who have also performed the experiment. The experiment is meditation.
( IS THE WISDOM OF MEDITATION WORTH LESS THAN MORE EMPIRICAL WISDOM THAT CAN BE SUMMED UP IN A FORMULA? )
EZ: But meditation is private.
KW: Not really. Not any more so than, say, mathematics. There is no external proof, for example, that negative one squared equals one; there is no sensory or empirieal proof for that. That happens to be true, but it is proven to be true only by an internallogie. You ean't find negative one in the external world; you find it only in your mind. But that doesn't mean it isn't true, that doesn't mean it is only private knowledge that can't be publicly validated. That only means that its truth is validated by a community of trained mathematicians, by those who know how to internally run the logieal experiment that will decide whether it is true or not. Just so, meditative knowledge is internal knowledge, but knowledge that ean
be publicly validated by a eommunity of trained meditators, those who know the internal logic of the eontemplative experienee. We don't let anybody vote on the truth of the Pythagorean theorem; we let trained mathematicians vote on that truth. Likewise, meditative spirituality makes eertain claims-for example, that the inward sense of the self is, if you look at it closely,one with the feeling of the external world-but that is a truth to be seeked experimentally and experientally by you and
anybody else who eares to try the experiment. And after something like six thousand years of this experiment, we are perfectly justified in making certain conclusions, making certain spiritual theorems, as it were. And those spiritual theorems are the core of the perennial wisdom traditions.
EZ: But why is it called "hidden"?
KW: Because if you don't perform the experiment, then you don't know what's going on, you are not allowed to vote, just as if you don't learn mathematics you are not allowed to vote on the truth of the Pythagorean theorem. I mean, you ean form opinions about it, but mysticism is not interested in opinions but in knowledge. Esoteric religion or mysticism is hidden to the mind that won't perform the experiment; that's all it means.
EZ: But religions vary so much from each other.
KW: Exoteric religions vary tremendously from eaeh other; but esoteric religions the world over share many similarities. Mysticism or esotericism
is, in the broad sense of the word, scientific,as we have seen, and just as you don't have German chemistry versus American chemistry, you dont have Hindu mystical science versus Muslim mystical science.Rather, they are in fundamental agreement as to the nature of the soul, the nature of Spirit, and the nature of their supreme identity, among many other things. This is what scholars mean by "the transcendental unity of the world; religions" -they mean esoteric religions. Of course, their surface struc-tures vary tremendously, but their deep structures are often identical
reflecting the unanimity of the human spirit and its phenomenologically disclosed laws.
EZ: This is very important, then: I take it that you do not believe, as Joseph Campbell does, that mythic religions carry any valid spiritual knowledge.
KW: You are free to interpret exoteric religious myths any way you like. You are free, as Campbell does, to interpret myths as being allegories or metaphors for transcendental truths. Free, for example, to interpret the virgin birth as meaning that Christ operated spontaneously from his true Self, capital S. I happen to believe that. The problem is mythic believers do not believe that. They believe, as a test of their faith that Mary really was a biological virgin when she got pregnant. Mythic believers do not interpret their myths allegorically, they interpret them literally and concretely. Joseph Campbell violates the fabric of mythic beliefs in his very attempt to salvage them. He says to the mythic
believer, "I know what you really mean by that." But the problem is that is not what they mean by that. His approach is fundamentally misguided right at the start, in my opinion.
These types of myths are very common in the six- to eleven-year-old; they are produced naturally and easily by the level of mind that Piagetcalls concrete operational. Virtually all of the fundamentals of the world's great exoteric myths can be culled from the spontaneous production of today's seven-year-olds, as Campbell himself acknowledges.
But once the next structure of consciousness-called formal operational or rational-emerges, the mythic productions are abandoned by the child himself. He himself no longer believes them, unless he is in a society that rewards such beliefs. But by and large the rational and reflexive mind finds myths to be just that, myths. Once useful and necessary, but no longer sustainable. They do not carry the evidentiaLknowledge that they claim to carry, and thus, once they are actually or scientifically checked, they fall apart. The rational mind looks at, say, the virgin birth and just grins. This woman gets pregnant, goes to her husband and says,
"Look, I'm pregnant, but don't worry, I didn't sleep with another man.
The real father is not from this planet.»
EZ: [Laughing] But some followers of mythic religions do in fact interpret their myths allegorically or metaphorically.
KW: Yes,and they are the mystics. In other words, the mystics are the ones who give an esoteric or "hidden» meaning to the myths, and those meanings are discovered in the direct interior and contemplative experience of the soul, not in some outward belief system or symbol or myth.In other words, they aren't mythic believers at all, but contemplative phenomenologists, contemplative mystics, contemplative scientists. This is why historically, as Alfred North Whitehead pointed out, mysticism has always allied itself with science as against the Church, because both mysticismand science depend on direct consensual evidence. Newton was a great scientist; he was also a profound mystic, and there was was, is,no conflict there whatsoever. You cannot, on the other hand, be a great scientist anda great mythic believer at the same time. Moreover, they, the mystics, are the ones who agree that their religion is basically identical in essence to other mystaical religions, that "they call Him many who is really One.» Now you will not find a mythic believer, say a fundamentalist Protestant, saying thatBuddhism is also a way to perfect salvation. Mythic believers maintain that they have the only way, because they base their religion on outward myths, which are everywhere different, so they don't realize the inner unity hidden in the outer svmbols. The mystics do.
EZ: Yes, I see. So you do not agree with Carl Jung that myths carry archetypal and in that sense mystical or transcendental importance?
KW: Jung found that modern men and women can spontaneously produce virtually all of the main themes of the world's mythic religions;they do so in dreams, in active imagination, in free association, and so on. From this he deduced that the basic mythic forms, which he called archetypes, are common in all people, are inherited by all people, and are carried in what he called the collective unconscious. He then madethe claim that, and I quote, "mysticism is experience of the archetypes." In my opinion there are several problems with that view. One, it is definitely true that the mind, even the modern mind, can spontaneously produce mythic forms that are essentially similar to the forms found in mythic religions. As I said, the preformal stages of the mind's development,particularly preoperational and concrete operational thought, are myth-producing by their very nature. Since all modern men and women pass through those stages of development in childhood, of course all
men and women have spontaneous access to that type of mythic thought-producing
structure, especially in dreams, where primitive levels of the psyche can more easily surface.
But there's nothing mystical about that. Archetypes, according to Jung, are basic mythic forms devoid of content; pure mysticism is formless awareness. There's no point of contact.
(WHAT IS A MYSTIC ARCHETYPE ANYWAY?)
Second there is Jung's whole use of the word "archetype/' a notion he borrowed from the great mysticst such as Plato and Augustine. But the way Jung uses the term is not the way those mystics use the term, nor in fact the way mystics the world over use that concept. For the mystics-Shankarat Platon, Augustinus, Eckhartt, Garab Dorje and so on-archetypes are the first subtle forms that appear as the world manifests out of formless and unmanifest Spirit. They are the patterns upon which all other patterns of manifestation are based. From the Greek arche typon original pattern. Subtlet transcendental forms that are the first forms of manifestationt whether that manifestation is physical biological mental whatever. And in most forms of mysticismt these archetypes are nothing but radiant patterns or points of lightt audible illuminationst brilliantly colored shapes and luminositiest rainbows of light and sound and vibration-out of whicht in manifestation, the material world condensest so to speak.
(THE DIFFERENCE BETWEEN JUNGS ARCHETYPE AND THE MYSTICAL ONE)
But Jung uses the term as certain basic mythic structures that are collective to human experience, like the trickster, the shadowt the Wise Old Man, the egot the persona, the Great Mother the animat the animus and so on. These are not so much transcendental as they are existential.They are simply facets of experience that are common to the everyday human condition. I agree that those mythic forms are collectively inherited in the psyche. And I agree entirely with Jung that it is very important to come to terms with those mythic "archetypes". If, for example, I am having psychological trouble with my mother, if I have a so-called mother complext it is important to realize that much ofthat emotional charge comes not just from my individual mother but from the Great Mother, a powerful image in my collective unconscious that is in essence the distillation of mothers everywhere. That is, the psyche comes with the image of the Great Mother embedded in it just as
the psyche comes already equipped with the rudimentary forms of language and of perception and of various instinctual patterns. If the Great Mother image is activatedt I am not dealing with just my individual mother, but with thousands of years of the human experience with mothering in generalt so the Great Mother image carries acharge and has an impact far beyond what anything my own mother could possibly do on her own. Coming to terms with the Great Mother, through a study
of the world's mythst is a good way to deal with that mythic form, to
make it conscious and thus differentiate from it. I agree entirely with Jung on that matter. But those mythic forms have nothing to do with mysticism, with genuine transcendental awareness. Let me explain it more simply. Jung's major mistake, in my opinion, was to confuse collective with transpersonal (or mystical). Just because my mind inherits certain collective forms does not mean those forms are
mystical or transpersonal. We all collectivelyinherit ten toes, for example, but if I experience my toes I am not having a mystical experience! Jung's "archetypes" have little to do with genuinely transcendental, mystical, transpersonal awareness; rather, they are collectively inherited forms that distill some of the very basic, everyday, existential encounters of the human condition-life, death, birth, mother, father, shadow, ego, and so on. Nothing mystical about it. Collective ,yes; transpersonal, no. There are collective prepersonal, collective personal, and collective transpersonal elements; and Jung does not differentiate these with anything near the clarity that they demand, and this skews his entire understanding
of the spiritual process, in my opinion. So I agree with Jung that it is very important to come to terms with the forms in both the personal and the collective mythic unconscious; but neither one of those has much to do with real mysticism, which is first, finding the light beyond form, then, finding the formless beyond the
light.
EZ: But coming across archetypal material in the psyche can be a very powerful, sometimes overwhelming experience.
KW: Yes, because they are collective; their power is way beyond the individual; they have the power of a million years of evolution behind them. But collective is not necessarily transpersonal. The power of the "real archetypes," the transpersonal archetypes, comes directly from being the first forms of timeless Spirit; the power of the Jungian archetype comes from being the oldest forms in temporal history. As even Jung realized, it is necessary to move away from the archetypes, to differentiate from them, to be free of their power. This process
he called individuation. And again, I agree entirely with him on that issue. One must differentiate from the Jungian archetype. But one must move toward the real archetypes, the transpersonal archetypes, ultimately to have one's identity shift entirely to that transpersonal form. Big difference. One of the few Jungian archetypes that is genuinely transpersonal is the Self, but even his discussion of that is weakened, in my opinion, by failing to sufficiently emphasize its ultimately
nondual character.
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