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Ein Intellektueller zu sein, ist eine Berufung für jedermann: es bedeutet, den eigenen Verstand zu gebrauchen, um Angelegenheiten voranzubringen, die für die Menschheit wichtig sind. Einige Leute sind privilegiert, mächtig und gewöhnlich konformistisch genug, um ihren Weg in die Öffentlichkeit zu nehmen. Das macht sie keineswegs intellektueller als einen Taxifahrer, der zufällig über die gleichen Dinge nachdenkt und das möglicherweise klüger und weniger oberflächlich als sie. Denn das ist eine Frage der Macht.“
Noam Chomsky, 2002
„... die Bürger demokratischer Gesellschaften sollten Kurse für geistige Selbstverteidigung besuchen, um sich gegen Manipulation und Kontrolle wehren zu können... “
– Noam Chomsky, in: Media Control, 2003
Das Propagandamodell von Noam Chomsky und Edward S. Herman beschreibt, wie die Medien ein dezentralisiertes und nicht-verschwörerisches Propagandasystem bilden können, welches fähig ist, einen Konsens der Oberschicht herzustellen und die Öffentlichkeit in diese Perspektiven der Oberschicht einzubinden - während gleichzeitig der Anschein eines demokratischen Konsenses gewahrt bleibt.
Gemäß einem oft zitierten Spruch Chomskys sei
"[...] die Propaganda für die Demokratie wie der Knüppel für einen totalitären Staat."
Das Propagandamodell versucht, politische Tendenzen in den Massenmedien nicht als Ergebnis von Verschwörungen, sondern als Produkt ökonomischer Zwänge zu erklären.
In den USA sind viele Fernsehanstalten und Zeitungen im Besitz von Großkonzernen wie Westinghouse, Time Warner oder General Electric. Diese Konglomerate sind abhängig von der Berichterstattung ihrer Medienunternehmen - wenn etwa die Time Warners eigene TV-Anstalt CNN abschätzig über Hollywood berichtet, dann wäre dies für Warner Bros., den konzerneigenen Filmproduzenten, ziemlich schädlich. Insbesondere den Rüstungskonzernen liegt es nahe, durch die "Realitätskontrolle" über die Massenmedien das Gefahrenbewusstsein der Bevölkerung und somit der Politik zu steuern.
Gerade in den USA gibt es kaum noch Massenmedien, die nicht irgendwelchen Großkonzernen gehören - und recht oft bilden Großkonzerne in einer Sparte(Nachrichtensender, Tageszeitungen, Radio) ein Oligopol. Das amerikanische Netzwerk Clear Channel Communications etwa besitzt 1'200 Radio- und 30 TV-Stationen.
Eine Zeitung oder eine Fernsehanstalt lebt von den Werbeeinnahmen. Und oft nehmen in Zeitungen die Inserate und andere bezahlte Inhalte mehr Platz ein als die eigentlichen Nachrichten - bei der New York Times etwa machen Werbeeinnahmen 75% des Gewinns aus.
Gemeinhin nimmt man an, bei einer Zeitung würde der Zeitungsverlag ein Produkt an den Leser verkaufen - nämlich mit Nachrichten bedrucktes Papier. Der Leser bezahlt also für eine Dienstleistung, die er genießt.
Chomsky und Herman stellten dieses Schema auf den Kopf, da eine Zeitung viel mehr an Inseraten verdient als an Abonnements und Kioskverkäufen. Das Propagandamodell besagt also, dass die Zeitung ein Produkt an die Inserenten verkauft - nämlich eine riesige Menge von Menschen, die man mit Werbebotschaften füttern kann.
Da eine Zeitung ein Wirtschaftsunternehmen ist, strebt sie Gewinnmaximierung an. Und da eben der Großteil der Einnahmen von den Inserenten stammt, muss die Zeitung ihre Berichterstattung auf die Interessen ihrer Inserenten ausrichten.
Massenmedien benötigen einen konstanten Nachschub an Informationen, also Nachrichten, um ihre Funktion zu erfüllen - und in der industrialisierten Wirtschaft sind die Quellen spezialisierte Unternehmen, welche auch über die materiellen Ressourcen verfügen.
Chomsky und Herman sagten an dieser Stelle, dass eine Symbiose herrsche zwischen den Massenmedien und den Regierungsstellen: Wer brav genug berichtet - das heißt, die "Faktenlage" des zuliefernden Unternehmens übernimmt - darf weiterhin an den Pressekonferenzen teilnehmen und exklusive Informationen erhalten. Viele der "Zulieferfirmen" filtern die Informationen selber, so dass ihre Eigeninteressen oder jene ihrer Besitzer gewahrt bleiben.
Zum Beispiel versorgt das US-amerikanische Verteidigungsministerium Pentagon die Medien mit Informationen über den Irak-Krieg, denn eine Zeitung für sich kann es sich gar nicht leisten, bei globalen Ereignissen überallhin eigene Journalisten zu entsenden.
Die Autoren von "Manufacturing Consent: the Political Economy of the Mass Media" benutzen den Begriff "Flak" für relativ direkte und zielgerichtete Aktionen gegen Organisationen oder Personen, die gerade daran sind, die herrschenden Ansichten zu kritisieren.
Anders als die vorigen drei Filter sind "Flak" und der Einsatz von "Anti"-Ideologien nicht ökonomischen Ursprungs. Beim "Flak" kann es durchaus ein erboster Minister sein, der mit einem Telefonanruf einen Redakteur maßregelt; oder eine Interessengruppe, die in Aktion tritt, sobald ein Massenmedium den "Anstand" missachtet.
Die sogenannten "Anti"-Ideologien - also Normen - haben eine reale oder eine befürchtete Gefahr als Hintergrund. In der Vergangenheit war es - in den USA - der Kommunismus als Antithese zur amerikanischen Lebensweise. Aus solchen ideologischen Gründen haben etwa US-Medien Gräueltaten rechtsgerichteter Paramilitärs an kommunistisch orientierten Zivilisten verschwiegen oder unter den Teppich zu kehren versucht - ein Beispiel sind die indonesischen Überfälle auf Osttimor, zur der Zeit als die USA im Vietnamkrieg Indonesien als Verbündeten benötigten.
Heute ist es eher der sogenannte "Anti-Terrorismus" als Glaubenssatz der Medien, und die Opfer dieses "Filters" sind Gegner der amerikanischen Außenpolitik. Wer der US-Politik kritisch gesinnt ist, kann leicht in eine "terroristische" Ecke gedrängt werden.
Chomsky und Herman haben das Propagandamodell empirisch getestet, indem sie gepaarte Beispiele untersucht haben - also Paare von Ereignissen, welche objektiv gesehen identisch oder sehr ähnlich waren, mit Ausnahme der Interessen der einheimischen Oberschicht. Wenn ein "offizieller Feind" etwas tut - wie etwa einen Bischof töten - untersucht die Presse den Fall eingehend und beschert dem auch eine große Beachtung. Aber sobald die einheimische Regierung oder eine befreundete Nation das gleiche oder etwas schlimmeres unternimmt, wird die Bedeutung des Vorfalls heruntergespielt.
Als Paradebeispiele für das Propagandamodell dienen der Krieg in Kambodscha und der Völkermord in Osttimor, welche Ende der 1980er Jahre geschahen. In Kambodscha waren die kommunistischen Roten Khmer an der Macht, und Indonesien, bezüglich des Vietnamkriegs den USA freundlich gesinnt, drang im portugiesischen Osttimor ein, weil dort die FRETILIN-Partei erstarkte, welche nach Angaben Indonesiens kommunistisch orientiert war. Neun Tage nachdem die FRETILIN die Unabhängigkeit ausrief, marschierte Indonesien ein. Zwischen 150'000 und 300'000 der ursprünglich 600'000 Menschen in Osttimor wurden ermordet; in Kambodscha starben rund 50'000 - 300'000 Menschen direkt an den US-Luftangriffen während des Vietnamkriegs, etwa 1.7 Millionen durch die spätere Khmer-Herrschaft.
Chomsky hat zusammen mit Herman untersucht, wieviel Beachtung die Massenmedien dem jeweiligen Krieg bzw. Völkermord schenkten - etwa durch Zählung der Berichte und durch Vergleich der Anzahl Spalten und Zeilen, die dem jeweiligen Konflikt gewidmet waren. Über die Ereignisse in Kambodscha nach dem Vietnamkrieg druckte die New York Times rein rechnerisch eine 1175 inchs (29.8 m) lange Spalte, über jene in Osttimor nur 70 inchs (1.8 m).
English:
The propaganda model is a theory advanced by Edward S. Herman and Noam Chomsky that alleges systemic biases in the mass media and seeks to explain them in terms of structural economic causes.
Herman and Chomsky argue that since mainstream media outlets are either large corporations or part of conglomerates (e.g. Westinghouse or General Electric), the information presented to the public will be biased with respect to these interests. Such conglomerates frequently extend beyond traditional media fields, and thus have extensive financial interests that may be endangered when certain information is widely publicized. According to this reasoning, news items that most endanger the corporate financial interests that own the media will face the most bias and censorship.
The theory argues that maximizing profit means sacrificing news objectivity, and news sources that ultimately survive must have been fundamentally biased, with regard to news in which they have a conflict of interest.
Since the mainstream media depend heavily on advertising revenues to survive, the model suggests that the interests of advertisers come before reporting the news. Chomsky and Herman argue that, as a business, a newspaper has a product which it offers to an audience. The product is composed of the affluent readers who buy the newspaper — who also comprise the educated decision-making sector of the population —while the audience includes the businesses that pay to advertise their goods. According to this "filter", the news itself is nothing more than "filler" to get privileged readers to see the advertisements which makes up the real content, and will thus take whatever form is most conducive to attracting educated decision-makers. Stories that conflict with their "buying mood", it is argued, will tend to be marginalized or excluded, along with information that presents a picture of the world that collides with advertisers' interests. The theory argues that the people buying the newspaper are themselves the product which is sold to the businesses that buy advertising space; the news itself has only a marginal role as the product.
The president of the main French television station TF1 stated this point of view in an interview in 2004, published in the book Les dirigeants face au changement ('Managers Facing Change') (Éditions du Huitième jour)[7]: "... the job of TF1 is to help Coca-Cola, for example, to sell its product. [...] In order for an advertising message to be perceived, the brain of the television viewer must be available. Our broadcasts are aimed at making that brain available: i.e. by distracting it, by relaxing it and preparing it between two messages. What we sell to Coca-Cola is time with this available human brain.".
Another filter concerns the mass media's need for a continuous flow of information to fill their demand for daily news. In an industrialized economy where consumers demand information on numerous worldwide events unfolding simultaneously, they argue that this task can only be filled by major business and government sectors that have the necessary material resources. This includes mainly The Pentagon and other governmental bodies. Chomsky and Herman then argue that a symbiotic relationship arises between the media and parts of government which is sustained by economic necessity and reciprocity of interest. On the one hand, government and news-promoters strive to make it easier for news organizations to buy their services; according to the authors, they provide them with facilities in which to gather give journalists advance copies of speeches and forthcoming reports
schedule press conferences at hours well-geared to news deadlines
write press releases in usable language carefully organize their press conferences and "photo opportunity" sessions.
On the other hand, the media become reluctant to run articles that will harm corporate interests that provide them with the resources that the media depend upon.
This theoretical relationship also gives rise to a "moral division of labor", in which "officials have and give the facts," and "reporters merely get them".
During the year 2005 in the USA, the Government Accountability Office (GAO) criticised the George W. Bush administration for the preparation and distribution of videos which falsely give the impression of being interviews made independently of the administration. The New York Times claimed that "more than 20 federal agencies, including the State Department and the Defense Department, now create fake news clips. The Bush administration spent $254 million in its first four years on contracts with public relations firms, more than double the amount spent by the Clinton administration."
Chomsky and Herman claim that "flak" refers to negative responses to a media statement or program. The term "flak" has been used to describe what Chomsky and Herman see as targeted efforts to discredit organizations or individuals who disagree with or cast doubt on the prevailing assumptions which Chomsky and Herman view as favorable to established power.
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