Donnerstag

Evolution und Flow..ein Interview mit Mihaly Csikszentmihaly




WIE: In Ihren Werken The Evolving Self und Finding Flow sprechen Sie über die Evolution, insbesondere über die menschliche Evolution. Würden Sie bitte definieren, was Sie unter „Evolution ” verstehen?

Mihaly Csikszentmihalyi: Nun, rein theoretisch betrachtet, bedeutet „Evolution” für mich die zunehmende Komplexität von Materie. Durch diesen Prozess erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sich Bewusstsein entwickelt. Hier weiche ich von der Sichtweise [des französischen Jesuiten und Paläontologen] Teilhard de Chardins ab, der annahm, dass beispielsweise auch Steine ein ihrer materiellen Struktur entsprechendes Bewusstsein hätten. Ich habe keine Ahnung, ob das stimmt oder nicht. Er vertrat jedenfalls die Ansicht, dass, wann immer Materie in ein System gebracht wird, eine dem jeweiligen System entsprechende Bewusstseinsebene parallel damit einhergeht. Dieser Prozess erreichte seinen bisherigen Höhepunkt mit dem menschlichen Nervensystem, dem zur Zeit kompliziertesten existierenden System zur Codierung und Speicherung von Informationen aller Art. Gerüche, Bilder, Gefühle, Gedanken all das kann gespeichert werden, weil es mehr als genug Platz dafür gibt und die Einheiten zudem miteinander verknüpft sind, so dass Parallelen gezogen, Ähnlichkeiten festgestellt, auf dem Prinzip von Ursache und Wirkung basierende Beziehungen entwickelt werden können und so weiter.

Wir haben es hier mit einem außerordentlich komplex strukturierten System zu tun, das hochkomplizierte Differenzierungen aufweist, welche jedoch wunderbar integriert sind. Differenzierung und Integration, diese beiden Bausteine der Komplexität begegnen uns in der Evolution immer wieder. Die Differenzierung gestattet uns die Nutzung verschiedener Bereiche, beispielsweise verschiedener Gehirnzellen und Neurone zur Speicherung von Informationen. Gleichzeitig sind die differenzierten Zellen miteinander verknüpft, oder, anders ausgedrückt, integriert, so dass sie sozusagen miteinander kommunizieren und Informationen austauschen können, verstehen Sie? Man könnte demnach die Evolution als einen Prozess bezeichnen, durch welchen Materie komplexer wird und folglich komplexeres Bewusstsein ermöglicht.

Des weiteren können wir natürlich sehen, wie die Auswirkungen der zunehmenden Bewusstwerdung des Menschen schnell über die rein physische Evolution hinausgehen. Als der Mensch begann, Informationen nicht mehr ausschließlich in seinem Gehirn zu speichern, sondern auch außerhalb, zuerst in Höhlenmalereien, dann in Bauwerken, später in Büchern und noch später in Computern und so weiter, war das die Geburt der kulturellen Evolution. Das erweitert zunehmend die Menge der Informationen über das Universum, die wir bearbeiten und verarbeiten können.

Ja, und jetzt, wo wir uns dessen, was im Kosmos vor sich geht, bewusst geworden sind, müssen wir für uns selbst entscheiden, in welche Richtung all diese Informationen gelenkt werden und wohin sie führen sollen. Ich persönlich glaube jedenfalls nicht, dass der Verlauf der Evolution vorherbestimmt ist. Und rein theoretisch betrachtet sind die Wegweiser für unsere Entscheidungen meiner Ansicht nach wiederum Differenzierung und Integration. Denn wir wünschen uns doch eine Zukunft, in der jeder Mensch die Freiheit hat, sich seinem einzigartigen genetischen Code gemäß zu entfalten, und wir wollen, dass diese Freiheit wunderbar differenzierte Blüten treibt. Gleichzeitig jedoch sollte jeder Mensch auch erkennen, dass er Teil von etwas viel Größerem ist. Hier kommt dann die Integration ins Spiel sie beginnt mit einem Gefühl der Zugehörigkeit, zu einer Familie, zu einer ethnischen Gruppe, einer religiösen Konfession oder einer Nation. Doch solange wir nicht erkennen, dass wir auch ein Teil aller Lebenssysteme und des Planeten selbst sind und dass es jenseits dessen, was wir wahrnehmen können, etwas gibt, von dem wir ein bewusster Teil sein sollen, wird der Evolution meines Erachtens kein allzu großer Erfolg beschieden sein.
WIE: Welches sind die Katalysatoren der Evolution?

MC: Das ist eine gute Frage. Zunächst einmal gab es in der Vergangenheit natürlich
zufällige Veränderungen, zum Beispiel durch Asteroideneinschläge auf den Planeten, die unter Umständen zur Auslöschung einer kompletten Spezies führten woraufhin eine andere das Ganze dann übernehmen konnte. Eine weitere These lautet, die Evolution werde im Wesentlichen durch die Entropie in Gang gehalten, was bedeutet, dass alle Spezies versuchen, mit dem geringstmöglichen Aufwand soviel wie möglich aus dem Ökosystem für sich herauszuholen. Das würde auch zu dem zweiten Gesetz der Thermodynamik passen [dass alle Systeme im Laufe der Zeit irreversibel ihrer Auflösung entgegenstreben]. Gäbe es keine Entropie, oder anders ausgedrückt, würden einige Lebensformen nicht im Wettstreit mit anderen unterliegen und verschwinden, dann könnte sich nicht notwendigerweise eine bessere Form durchsetzen und ausbreiten, nicht wahr? Man könnte also durchaus behaupten, dass erst die Eliminierung der schwächsten Formen im permanenten Überlebenskampf die Entdeckung und Weiterentwicklung besserer, fähigerer Formen ermöglicht.

Hat zum Beispiel ein Mensch, statt zu Fuß auf die Jagd gehen zu müssen, die Möglichkeit, ein Pferd zu benutzen, dann verbraucht er viel weniger Energie, um sein Wild zu erbeuten. Auf Grund dieser Erkenntnis wurden Pferde einst sehr populär. Als die Spanier Pferde nach Amerika brachten, übernahmen die Flachlandindianer in relativ kurzer Zeit die Nutzung von Pferden, weil sie deren Wert für die Einsparung von Energie erkannten. Genauso war es mit Gewehren. Dieses Prinzip lässt sich weitgehend auch auf die technologische Evolution, also auf die Entwicklung von Werkzeugen, übertragen, weil sie bis zu einem gewissen Ausmaß die Entropie vereiteln. Man führt Werkzeuge ein, weil sie der Energieeinsparung dienen. Wenn nun eine Spezies herausfindet, wie sie mit weniger Aufwand mehr Energie aus der Umgebung herausholen kann als andere, dann ist diese Spezies, zumindest für einen gewissen Zeitraum, anderen gegenüber im Vorteil. Diese auf der Entropie basierende Sichtweise der Evolution ist vermutlich die reduktionistischste überhaupt.

Ich glaube zwar an „Ockhams Rasiermesser” [der philosophischen und wissenschaftlichen Regel, die besagt, dass von zwei oder mehr konkurrierenden Theorien die einfachste zu bevorzugen sei], doch der gerade geschilderten Sichtweise schließe ich mich nicht an, ich sage lediglich, dass sie einen Erklärungsansatz für die Beschleunigung der Evolution darstellt.

WIE: Gibt es andere Sichtweisen, denen Sie eher zustimmen würden?

MC: Ich kann durchaus in der Entropie die ursprüngliche Triebkraft für die Aneignung und Übernahme verschiedenster Dinge sehen, aber ich denke, wenn es um den Menschen mit dem jetzt gegebenen Bewusstseinsgrad geht, dann müssen wir ganz andere Regeln anwenden und zwar solche, die sich aus einer Reflexion über unsere Erfahrungen, über die geschichtliche Vergangenheit und über das, was um uns herum geschieht, ergeben. Dann erkennen wir: „Moment mal, das ist doch nicht alles, was wir sein und erreichen können. Das können wir doch besser machen!” An jenem Punkt haben wir die Möglichkeit, über das Gelernte hinauszugehen. Viele große Werke der Kunst, Literatur, Religion und Philosophie entsprangen dem Bedürfnis, über das, was man vorher war und hatte, hinauszugehen.

Es heißt, dass wir Menschen erst vor rund dreitausend Jahren die Fähigkeit erwarben, über unser eigenes Denken nachzusinnen. Aber nachdem dies einmal geschehen war, änderten sich die alten Regeln der Evolution. Wir sind längst nicht mehr so zwingend den bestimmenden Einflüssen unserer Gene und unserer sozio-kulturellen Umgebung unterworfen, wie wir es einst waren. Wir werden auch nicht mehr so sehr von der Entropie gesteuert wie einst. Das ist ein relativ neuer Schritt in der Evolution, sehr neu, wenn man bedenkt, wie lange wir gebraucht haben, na, sagen wir mal, um von Lucy [unserem frühen Cro-Magnon-Vorfahren] zu Homers „Odyssee” zu gelangen Jahrmillionen und dann plötzlich: Volltreffer! Dies ist also ein noch sehr neues Spiel, und obwohl unsere Spezies viele Fehler gemacht hat und auch heute noch macht, denke ich doch, dass es auch eine einmalige Gelegenheit ist.

WIE: Demnach ist dieser neue Katalysator für die Evolution also im Menschen bereits angelegt?

MC: Ja, ich denke, dass er in diesem spezifischen Wesen mit seinem sehr komplexen Gehirn und seiner Art der Informationsverarbeitung bereits enthalten ist. Und ja, daher ist er uns zu eigen. Ich persönlich glaube jedenfalls nicht, dass ihn uns irgendjemand eingegeben hat. Hier weicht meine Sicht von einer, sagen wir, religiösen Interpretation ab, die davon ausgeht, dass uns eine Art Seele von außen eingehaucht wurde. Ich vermute eher, dass das, was wir „Seele” nennen, durch die zunehmende Komplexität unseres Körpers, insbesondere unseres Gehirns, hervorgerufen wird. Betrachten wir mal die vorchristliche Vorstellung von „Seele”, dann können wir feststellen, dass damit keine andersartige Substanz, die dem Körper eingegeben wird, gemeint war. Der Begriff bezog sich vielmehr auf die menschliche Fähigkeit, überschüssige Energie zum Wohle anderer einzusetzen und nicht alles für sich selbst zu verbrauchen. Ich kam zu der Schlussfolgerung, dass eine „Seele” zu haben bedeutet, seine psychische Energie nicht ausschließlich der persönlichen Maximierung zu widmen, um es zum Beispiel bequemer zu haben oder um reicher, berühmter und wohlhabender zu werden, sondern einen Teil dieser Energie auch in das Wohlergehen, die Ziele und die Vorteile anderer Lebewesen oder Dinge zu investieren. Das ist für mich „Seele”. Das ist der Gipfel der Evolution: wenn man nicht all seine Energie für eigene Zwecke aufbraucht, sondern einen Teil davon zum Wohle anderer, einschließlich dieses Planeten, verwendet.

Flow für die Evolution

WIE: In Ihrer Forschungsarbeit haben Sie die bedeutsame Verwandtschaft zwischen der Evolution und dem, was Sie „Flow” oder die optimale menschliche Erfahrung nennen, untersucht. Könnten Sie dazu etwas sagen?

MC: Meine natürlich unbewiesene Vermutung ist, dass, wenn ein Organismus lernt, Handlungen, die der Erweiterung seiner Fähigkeiten dienen, als positiv zu empfinden, die Wahrscheinlichkeit steigt, dass er etwas ganz Neues erfindet, entdeckt oder lernt und besser wird in dem, was er tut. Diese Kombination, viel zu riskieren, um sein Bestes geben zu können oder sogar darüber hinauszugehen und dieses Risiko auch noch zu genießen, ist ein glücklicher Umstand. Wir sind offenbar eine Spezies, die mit einem Hunger nach Grenzerweiterung gesegnet ist. Die meisten anderen Arten scheinen damit zufrieden zu sein, wenn für ihre Grundbedürfnisse gesorgt und ihre Homöostase wiederhergestellt ist: Sie haben gegessen, nun können sie ausruhen. Punkt. Aber in unserem menschlichen Nervensystem wurde vielleicht nur durch glückliche Fügung oder Zufalleine Verbindung geknüpft zwischen Freude und Herausforderung beziehungsweise dem Suchen nach Herausforderungen.

WIE: Es besteht also eine Beziehung zwischen einem Glücksempfinden und dem Verlangen nach neuen Herausforderungen?

MC: Ja, genau. Wie die meisten anderen Arten haben wir in unserem Nervensystem eine Verknüpfung zwischen Essen und Lustgefühlen, sowie zwischen Sexualität und Lustgefühlen entwickelt. Wäre dies nicht der Fall, dann würden wir vermutlich viel weniger essen und uns seltener fortpflanzen. Das Überleben hängt bis zu einem gewissen Grad davon ab, dass jene Dinge, die für ein Überleben notwendig sind, Vergnügen bereiten. Beginnt man aber, Dinge zu genießen, die über ein bloßes Überleben hinausgehen, erhöht sich dadurch die Chance der eigenen Transformation und Evolution. Und da der Zustand, den ich „Flow” nenne, von steigenden Herausforderungen und einem Wachsen der Fertigkeiten abhängt, führt er folglich zu größerer Komplexität, das heißt, zu größerer Differenzierung und Integration des Organismus.

WIE: Kommen wir noch einmal zum „Flow” zurück. Würden Sie bitte erklären, was damit gemeint ist?

MC: Anfang der sechziger Jahre schrieb ich meine Dissertation über junge Kunststudenten am Chicago Art Institute. Ich stellte fest, dass sie, während sie malten, fast in eine Art Trance fielen ein Phänomen, das mir aus eigener Erfahrung vertraut war. Sie schienen nichts um sich herum wahrzunehmen und bewegten sich wie von etwas in ihrem Innern besessen. Hatten sie ein Gemälde beendet, betrachteten sie es ein paar Minuten lang befriedigt. Dann stellten sie das Bild beiseite und ließen es anschließend weitgehend unbeachtet. Wichtig war jetzt nur noch die neue leere Leinwand. Ganz augenscheinlich hat der Prozess der Beschäftigung mit dem werdenden Bild etwas so Anziehendes, dass er sich über alles andere hinwegsetzt außer vielleicht dem Bedürfnis zu essen, zu schlafen und die Toilette aufzusuchen. Ich wollte in Erfahrung bringen, was die Psychologen über dieses Phänomen, diesen Zustand vollkommenen Engagements, geschrieben hatten. Doch das war nicht viel. Ich erkannte, dass dieser Aspekt menschlichen Verhaltens seitens der Psychologie weitgehend außer Acht gelassen worden war. Und wenn einmal jemand sich damit auseinandergesetzt hatte, dann mit der Vorstellung, dieses Verhalten sei ein zielorientiertes Mittel zum Zweck ohne es also als eine Handlung um ihrer selbst willen anzusehen.

In den frühen siebziger Jahren sprach ich mit Schachspielern, Bergsteigern, Musikern und Basketballspielern. Ich bat sie zu beschreiben, was sie erlebten, wenn das, was sie taten, richtig gut lief. Natürlich rechnete ich mit den unterschiedlichsten Geschichten. Doch die Interviews schienen sich in vielen wesentlichen Aspekten auf ein und dieselbe Qualität der Erfahrung zu konzentrieren. Zum Beispiel sagten alle, dass man völlig in dem, was man täte, aufginge, dass die Konzentration sehr hoch wäre, dass man von Augenblick zu Augenblick genau wisse, was man zu tun habe und eine sehr direkte und schnelle Rückmeldung darüber erhielte, wie gut man bei seiner Arbeit wäre, und weiter noch, dass den eigenen Fähigkeiten zwar das Äußerste, jedoch nie zu viel abverlangt würde. Mit anderen Worten, die Herausforderungen und die Fertigkeiten hielten sich die Waage. Und waren all diese Bedingungen simultan gegenwärtig, vergaß man seine Alltagssorgen und sogar sich selbst als etwas Getrenntem von dem, was gerade vor sich ging man war sich bewusst, dass man Teil von etwas Größerem war und bewegte sich entlang der inneren Logik der Handlung.

Jeder sagte gleichermaßen aus, es wäre wie von einer Strömung getragen zu werden, spontan, mühelos, wie ein Fließen [Flow]. Zudem vergäße man die Zeit und fürchte sich nicht vor Kontrollverlust. Man wäre sicher, die Situation, wenn nötig, unter Kontrolle zu haben. Es wäre aber schwer zu bewerkstelligen, weil die Anforderungen hart seien. Es fühlte sich auf der einen Seite zwar mühelos an, wäre aber dennoch extrem abhängig vom Konzentrationsvermögen und den Fertigkeiten. Es wäre also eine Art von paradoxem Zustand, wo man auf einem angenehmen Grat zwischen Streben und Unruhe einerseits und Langeweile andererseits stände. Man funktionierte auf diesem schmalen Grat, wo man gerade eben das tun konnte, was getan werden musste.

Seit dieser Zeit haben Kollegen von mir zigtausende Menschen in aller Welt interviewt Tuchweberinnen im Hochland Borneos, meditierende Mönche in Europa, auch katholische Dominikanermönche, und viele, viele andere und sie alle sagten dasselbe. „Flow” scheint also ein phänomenologischer Zustand zu sein, der in allen Kulturen gleich ist. Was die Menschen tun, um in diesen Zustand zu gelangen, ist höchst unterschiedlich, aber das Erlebnis selbst wird auf sehr ähnliche Weisen beschrieben.

WIE: Hat „Flow” für Sie demnach einen positiven Einfluss auf die Evolution?

MC: Aus der Sicht des Einzelnen ist das Flow-Erlebnis eine äußerst positive Erfahrung, denn es verschafft uns die unvergesslichsten und intensivsten Freuden im Leben. Aber die Sache ist nicht ganz so einfach, denn Flow birgt hinsichtlich der Entwicklung oder Evolution zwei Gefahren in sich. Zum einen kann er auf der individuellen Ebene süchtig machen. Eine Person kann zunehmend so abhängig von einer bestimmten Art von Herausforderung werden, dass sie, wenn alle Herausforderungsmöglichkeiten erschöpft sind, völlig hilflos dasteht. Mich hat beispielsweise immer wieder beeindruckt, wie viele Schachgroßmeister zusammenbrachen und sich in die verschiedensten Neurosen flüchteten, nachdem sie jeden potenziellen Gegner der Welt geschlagen hatten und es für sie absolut kein Ziel mehr zu erreichen gab. Auf der persönlichen Ebene besteht also die Gefahr, dass man seine individuelle Entwicklung verkümmern lässt.

Auf gesellschaftlicher Ebene besteht die Gefahr, dass man Flow in Herausforderungen findet, die Nullsummen-Spiele sind, das heißt, einer muss verlieren, damit du gewinnen kannst. Ein Krieg kann zum Beispiel Flow-Erlebnisse hervorrufen; du bist an der Front, alles ist klar und konzentriert, du weißt ganz genau, was du tun willst und so weiter. So fanden viele Kriegsheimkehrer ihr späteres Zivilleben im Vergleich zu ihren Erlebnissen an der Front langweilig und fade.

WIE: Wie fördert Flow denn nun die Evolution?

MC: In gewisser Weise ist Flow das, was unser menschliches Bedürfnis, über das Vorhandene hinauszugehen, antreibt. Ich habe festgestellt, dass der Kreativität oder der optimalen Erfahrung stets ein Ringen innewohnt, denn zum einen muss man sich in hohem Maße öffnen, andererseits aber auch ganz tief in sich gehen. Das sind die beiden Prozesse, Differenzierung und Integration, die Hand in Hand gehen müssen, damit sich die Komplexität entfalten kann. Ich sehe im Flow eine äußerst wichtige Antriebskraft für die Evolution der Komplexität. Er gibt uns den Ansporn, die Motivation und den Lohn für unser Hinausgehen über bereits Erreichtes. Aber Flow gibt uns keine ethischen Richtlinien deswegen muss es meiner Ansicht nach ein Flow mit Seele sein.

WIE: Weshalb vertrauen Sie auf Komplexität als ein Medium zur Entwicklung?

MC: Weil ich Mozart liebe und Villards Zeichnungen von Chartre, weil ich erfahren will, was die Wissenschaftler über unsere Welt herausfinden, und weil ich fließendes heißes und kaltes Wasser mag. Vielleicht liege ich ja falsch, aber, aus welchem Grund auch immer, scheint mir dies, angesichts aller Erfahrungen und ihrer Alternativen, die aufregendere Vorgehensweise zu sein, interessanter und befriedigender oder vielleicht nicht befriedigender, aber doch erfreulicher. Ich verbringe vier Monate im Jahr in Montana; wir haben dort weder ein Fernsehgerät noch Zeitungen. Wir erfuhren vom Tod Prinzessin Dianas erst drei Wochen später. Ich bin mir durchaus bewusst, wieviel Schönheit in der Einfachheit liegt, in der Fähigkeit, mit dem bloßen Minimum, ohne all die Reize des Großstadtlebens auszukommen, und darin, nicht ständig auf dem Laufenden zu sein. Aber gleichzeitig glaube ich nicht, dass ich das, was die Menschheit erreicht hat, je aufgeben würde. Ich möchte nur sichergehen, dass es der Verbesserung dient, nicht der Zerstörung. Denn die Welt ist immer noch voll beispielloser Brutalität, und das zum Teil, weil durch unsere Technologie Dinge, die in der Vergangenheit ein Handgemenge unter ein paar Leuten ausgelöst hätten, heutzutage abertausende Menschen das Leben kosten könnten. Die ganze Angelegenheit ist reichlich unheimlich, aber trotzdem, hätte ich die Wahl, dann würde ich wohl nicht zu einer weniger komplexen Stufe zurückkehren wollen.

WIE: Welche Dinge behindern die Evolution?

MC: Nun, ich denke, den Weltreligionen ist es ganz gut gelungen, das aufzuzeigen. Ob wir die fünf Gebote des Buddhismus oder die sieben Todsünden im Christentum betrachten, sie haben den Nagel insofern ziemlich genau auf den Kopf getroffen, als sie von der Gier in Form von Unersättlichkeit oder Neid handeln, also davon, Dinge für sich haben zu wollen und sie sich durch Diebstahl, Raub oder Betrug anzueignen, oder davon, wie man anderen verwehrt, ein gutes Leben zu führen. Diese Verhaltensweisen laufen auf psychologischer Ebene der Entfaltung der Seele und der Entwicklung von Komplexität zuwider, weil sie einen Menschen auf ihre biologischen Bedürfnisse und kulturellen Konventionen reduzieren und dadurch sein Wachstum verhindern.

WIE: In The Evolving Self setzen Sie den Begriff „die Schleier der Maya” in einen zeitgenössischen Kontext und bezeichnen diese „Schleier” als ein Hindernis für unsere individuelle Evolution, weil sie unseren Realitätssinn verzerren. Könnten Sie bitte darüber mehr sagen?

MC: Nun, wir alle haben die Tendenz, unsere Erfahrung, das heißt, die oberflächliche Erfahrung, die unserem Bewusstsein gegenwärtig ist, grundsätzlich als die letzte Wahrheit anzusehen. Und das aus gutem Grund. Ich meine, wir können nun mal nicht jede unserer Erfahrungen untersuchen und uns fragen: „Ist dies richtig oder falsch? Ist es gut oder schlecht?” Aber wir müssen eine gewisse Fähigkeit haben, uns zu distanzieren, zum Beispiel von unseren Bedürfnissen. Wenn man jedes Mal, wenn man hungrig wäre, essen müsste oder immer, wenn man sexuell stimuliert wäre, den Geschlechtsakt vollziehen wollte oder wenn man immer, wenn jemand etwas befiehlt, ohne nachzudenken mit „Jawohl!” antwortete, dann würde man doch ein äußerst eingeschränktes Leben führen. Angenommen du bist ein Nazi und erhältst den Befehl, Juden in ein Lager zu bringen oder dergleichen, dann tust du dies, weil es dir befohlen wurde dies ist die Realität und du denkst, dass du nichts daran ändern kannst. Wenn du auf eine solche Weise lebst, wirst du nie aus jenen Bedingungen, jenen Programmen ausbrechen, welche die Gene über Jahrmillionen gebildet haben oder die die Kultur für uns entwickelt hat, noch ehe wir geboren wurden und heranwuchsen. Wir kommen mit bestimmten Verhaltensinstruktionen auf die Welt und dann sagt uns die Gesellschaft, wie wir uns benehmen sollen. Natürlich müssen wir die Realität dieser Tatsachen akzeptieren, doch gleichzeitig sollten wir uns über die Folgen im Klaren sein, die unser Befolgen jener vorgegebenen Verhaltensanweisungen haben könnte.

Im Hinduismus gibt es den Begriff Karma, der es wert ist, in zeitgenössische Denkkategorien übertragen zu werden, denn es ist wahr, dass alles, was man tut, in gewisser Weise Auswirkungen auf alles andere hat. Wir sind Teil eines Systems, und unsere jeweiligen Handlungen sind nicht in sich abgeschlossen, sie wirken sich vielmehr auf Gegenwart und Zukunft aus. Sie haben einen Einfluss. Wenn man also erkannt hat, dass man zum einen Teil eines Systems ist und zum anderen all diese Instruktionen verkörpert, dann realisiert man auch, dass man die Verantwortung hat, entweder diese Instruktionen zu billigen und zu unterstützen oder aber aus ihnen auszubrechen. Doch dazu muss man die Schleier der Maya beiseite schieben.

WIE: Sie benutzen in Ihrem Werk auch den Begriff „Transzendenz”. Was meinen Sie damit?

MC: Das knüpft eigentlich an Ihre vorhergehende Frage an. Meiner Ansicht nach bezeichnet Transzendenz im Grunde die Fähigkeit, jene Schleier beiseite zu schieben und zu sagen: „Also gut, dies sind die Bedingungen, unter denen ich agiere, das sind meine genetischen Anlagen und jenes sind meine kulturellen Instruktionen und Programme. Was werde ich nun also tun?” Wenn jemand dann aufsteht und sagt: „Ja, alles drängt mich in diese Richtung, dennoch versuche ich, die Wirkung meiner Handlungen auf das gesamte System, in dem ich lebe, abzuschätzen Tiere, Pflanzen, Wasser, Luft und so weiter inbegriffen und unter den gegebenen Umständen werde ich mit meinem Programm nicht länger fortfahren, sondern stattdessen versuchen, eine klare Stellung zu beziehen”, dann ist das für mich Transzendenz, weil es über die bestimmenden Kräfte, die eine Person vermeintlich kontrollieren, hinausgeht.


Auf des Messers Schneide

WIE: Sie scheinen in dem, was Sie schreiben, anzudeuten, dass wir sowohl kollektiv als auch individuell einen evolutionären Schritt tun müssen. Könnten Sie zu diesem Schritt etwas sagen?

MC: Ja. Also, ich kann ihn nicht ganz, sondern nur teilweise sehen, ich weiss nicht genau, was kommen wird. Ich mag nicht, wenn man sich von oben herab äußert, wie zum Beispiel: „Jeder soll dies tun” oder: „Jeder soll das tun”. Ich finde, jeder sollte für sich darüber nachdenken, was wir als einzelne tun können, was unsere Pflicht und Verantwortung gegenüber unserer Gemeinschaft, unserer Familie oder einfach nur uns selbst gegenüber ist von unserer persönlichen Verantwortung bis hin zu dem, was wir für die Nation oder für den ganzen Planeten tun können. Man kann auf so vielen Ebenen Entscheidungen fällen, die entweder die Evolution fördern oder aber sie entgleisen lassen. Deshalb versuche ich einfach, den Menschen ins Bewusstsein zu rufen, dass sie für die Evolution verantwortlich sind, dass sie sich auf des Messers Schneide befinden. Wir alle befinden uns auf des Messers Schneide bezüglich der Evolution. Durch unsere Handlungen wird die Zukunft in Kraft gesetzt, darin liegt unsere Verantwortung. Wir sollten unsere großartigen Pläne vergessen und vielmehr uns selbst als Werkzeug betrachten, oder vielleicht nicht als Werkzeug, sondern als Pseudopodium [biol. Scheinfüßchen; Anm. d. Übers.] der Evolution sehen. Wir sind für uns selbst die Evolution.

WIE: Könnten Sie etwas näher erläutern, was es bedeutet, sich auf des Messers Schneide zu befinden?

MC: Um noch einmal auf den Begriff Karma zurückzukommen, er bedeutet, dass deine Taten auf alles Auswirkungen haben. Du kannst auf eine Weise handeln, die die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Evolution nach mehr Komplexität strebt indem du beispielsweise freundlich zu deinem Ehepartner oder den Kindern bist, indem du versuchst, ein besserer Arbeiter zu sein oder anderen Menschen etwas beizubringen, oder indem du Menschen zu der Einsicht verhilfst, dass gute Arbeit wichtiger ist als der Lohn, den man dafür erhält. Wenn du dich der Komplexität verschreibst und nach Gelegenheiten suchst, die der Steigerung der Differenzierung und Einzigartigkeit dienen und die Integration oder die Verbindungen zu etwas Höherem fördern bei jeder Wahlmöglichkeit, die dir in deinem Leben begegnet, wirst du Evolution. Dann bist du die Verkörperung der Komplexität, die in die Zukunft voranschreitet.

WIE: All die Aspekte, die Sie ansprachen, wie die Übernahme von Verantwortung füreinander, für unsere Arbeit, für die Erde, sind sehr lebensbejahend. Heißt dies, dass die Evolution ein Ziel verfolgt?

MC: Soweit ich weiß, verfolgt die Evolution kein Ziel im menschlichen Sinne. Aber weil wir Menschen sind, können wir ihr einen Sinn geben. Wir sind jetzt verantwortlich für die Evolution, für das Leben. Es ist nicht länger ein geistloses Universum, das heißt, es ist ein geistloses Universum, welches jedoch vermittels der Komplexität einen Geist erzeugt hat, der jetzt entscheiden muss, wohin wir gehen wollen.

So gesehen hat sie jetzt ein Ziel unser Ziel. Wir müssen jetzt über dieses Ziel entscheiden. Was ich zu erklären versuche ist, dass die Komplexität, die in der Vergangenheit ob beabsichtigt oder nicht von der Evolution erzeugt wurde, uns die Gelegenheit geschaffen hat zu sagen: „Ja, dies ist es, was wir verwirklicht sehen wollen, dies ist es, dessen bewusste Urheber wir sein wollen”.

WIE: Zwei führende spirituelle Denker der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, Sri Aurobindo, der indische spirituelle Meister, Philosoph und Poet, und Teilhard de Chardin, der französische Jesuit und Paläontologe, sprachen aus einer spirituellen Perspektive über das Ziel der Evolution. Aurobindo sah jenes Ziel der Evolution als göttlich und bereits in der Materie wie auch im menschlichen Bewusstsein „eingeschlossen”. Durch die Evolution wird Gott nach und nach realisiert beziehungsweise manifestiert. Er schrieb:
Das Tier ist ein lebendiges Laboratorium, in dem die Natur, so sagt man, den Menschen erarbeitet hat. Der Mensch mag selbst wohl ein denkendes, lebendiges Laboratorium sein, in dem und mit dessen bewusster Mitwirkung sie [die Natur] den Über-Menschen, den Gott erarbeiten will. Oder sollten wir nicht eher sagen, Gott manifestieren will? Denn wenn die Evolution die fortschreitende Manifestierung durch die Natur von dem ist, was in ihr schlief oder in ihr eingeschlossen wirkte, so ist die Natur auch die sichtbare Verwirklichung dessen, was sie im Geheimen ist ...
Wenn es wahr ist, dass der Geist in der Materie bereits eingeschlossen ist und die sichtbare Natur im Geheimen Gott ist, dann bedeutet es für den Menschen auf Erden das erhabenste und legitimste Ziel, das Göttliche in sich selbst zu manifestieren und Gott im Innern und nach außen hin zu verwirklichen.


MC: Ja. Ja, ich denke, das ist im Wesentlichen sehr gut gesagt. Was mir auch gefällt ist, dass er fast alles in eine Art Frageform zu kleiden scheint. Und es stimmt, es gibt keinen Grund, die Dinge nicht auf diese Weise zu betrachten. Wahrscheinlich ist diese Art, die Dinge zu sehen, die beste. Meine persönliche Verantwortung finde ich an der äußersten Grenze meines eigenen gegenwärtigen Verständnisses. Und ich kann postulieren, dass es darüber hinaus noch sehr viel mehr gibt. Aber was das aller Wahrscheinlichkeit nach ist, offenbart sich mir nicht. Deshalb sehe ich es nicht als meine Aufgabe an, dies zu postulieren. Wäre es an mir, dies zu tun, dann würde ich ein religiöser Seher, ein Guru oder so etwas in der Art werden. Aber das bin ich nun einmal nicht, und deshalb tue ich es nicht, auch wenn ich denke, dass es vermutlich wahr ist.

Mittwoch

Why we should read Henry Miller





Writing becomes redemption. And redemption is the ultimate
form of self-liberation.
There is only one subject, as Henry says often, "the
supreme subject" - liberation:

But the struggle of the human being to emancipate himself,
that is, to liberate himself from the prison of his own
making, that is for me the supreme subject. That is why
I fail, perhaps, to be completely "the writer."


So even Henry himself proclaims what his critics accuse
him of! Writerliness is far less important to him than
truth.


We live in an age of mannered writing, an age of
writers who forget that their purpose is to tell truths, not
merely to be clever. Perhaps truth-telling makes us uncomfortable
because we no longer have any consensus
about what truth is. We look to our writers to help us find
a consensus, and, book by book, we hope to grope our way
toward it. But we have no cohesive worldview. We do not
really believe in the spirit, yet we are unhappy with sheer
materialism and uncomfortable with the idea of imperishable
realities beyond the self and beyond the flesh.
Henry reminds us that the ancient function of the
writer is to be a truth-teller. He also reminds us that the
only truth is self-redemption. In this, his message is not so
very different from Christ's. It was Thomas Merton, after
all, who praised Henry for his "real basic Christian spirit
which I wish a few Christians shared!" Merton and Miller
were kindred spirits, who exchanged some fascinating letters.
They both were intimate with the divine dictation of
"the Voice." Merton the poet-monk and Miller the eternal
vagabond recognized each other at once as participants in
the same quest-the quest for spirit in a materialistic
world.
The experience of taking dictation from "the Voice" is
riveting and unforgettable. A large part of a writing
teacher's task is to convince students that they, too, can
listen to this inner voice. We all have it to some extent, but
writers cultivate the ability to use it. This may be why they
are so apt to believe in the Voice. When your daily work
is to be a medium, you must believe in the Voice or it may
stop talking to you.
For the most part, the "fictional" novelsweread today
belong to a dead genre, a genre that somnolizes rather than
awakens. People read mysteries, roman ces, and thrillers to
anesthetize themselves, not to alert their souls. Most books
are enslaving rather than liberating. They lull the senses;
they hypnotize the moral imagination.
That we have a whole publishing industry based on the
production of verbal soma (as Aldous Huxley called his
all-purpose opiate in Brave New World) is not surprising.
But Miller is doing something else entirely-and it is necessary
to recognize it. He is using words in the service of
liberation. He cannot be judged only as an entertainer
Like Auguste in The Smile at the Foot of the Ladder, Im
ecstasy is our entertainment.
When we consider how long it has been since Joyce.
Woolf, Stein, and other geniuses of the first part of this
century transformed the very nature of prose narrative, it
is astounding that the contemporary novel has been influenced
so little.
Film transformed the novel far more than modern
literature did. Film absorbed the lessons of surrealism
The novel speeded up its scenes to match the dwindling
attention span of the contemporary reader. Fiction writers
learned to cut and edit like filmmakers. But, for the most
part, they ignored the lessons of Miller, Joyce, Woolf, and
Stein, and continued to write nineteenth-century Dickensian
or Dostoyevskian novels in the age of visual media. I
suspect that it is for this reason that so many of them are
being ignored.
Today's younger generation has become totally comfortable
with the sort of antichronological sequencing that
Miller employed. The most banal MTV promotional video
collapses or reverses time, folds reality into fantasy or
fantasy into reality, all with dazzling slickness. Why do we
refuse to trust readers to accept this in novels? Or, better.
why do our novelists refuse to draw inspiration from the
innovations of the great modernists? The reason, of course.
is commercialism and the lust for bestsellers.
The poor old popular novel plods along in the footsteps
of the past, while occasionally Martin Amis or Harold
Pinter makes use of reverse chronology (Time's Arrow,
Betrayal) to jolt his audience. That such a technique is
still jolting only proves how very conventional most contemporary
writing remains.
Of course there are adventurous souls like Thomas
Pynchon, William Gaddis, Cormac McCarthy, T.C. Boyle,
John Hawks, and Robert Coover who do bravely experi-
ment. But most of our published fiction is structured along
nineteenth-century lines.
Henry himself invented spiraltime, structured like the
DNA molecule, time that curves back on itself. His "novels"
constitute an immense Mobius strip. In the end is
their beginning. Is this "the true inner reality" of our
lives? Henry thought so. And it is time our contemporary
fiction writers trusted his lead. They have followed him
into the bedroom, but not into the world of unconscious
time. The writers who can pick up the mantle of Miller and
reinterpret him for a new generation will tap a young
audience that is largely bored with contemporary popular
fiction.
Henry also led the way for contemporary writers in the
manner in which he took fact and made it into parable. He
often predicted that autobiography would be the fiction of
the future and I think he has been proven right both by the
hunger for "docudrama," and by CNN's instant history,
which rivets us far more effectively than television sitcom-land.
Our most disturbing novels blend fiction and fact.
News and novels mingle boundaries everywhere. Even the
words mean the same thing.
The birth of the novel in the eighteenth century-the
same century that gave us the newspaper and consumer
capitalism-owes its impetus to the elevating of the daily
life of the average individual to the level of heroism. Instead
of kings and queens and mythical heroes and heroines,
we have Pamela, Clarissa, and Tom Jones. There is
surely a direct line from the serving-maid scribbler of
Pamela or the orphan Tom Jones to the Paris vagabond
Henry Miller. Miller, with bis elevation of daily life to
myth, with his blurred boundaries between fiction and
autobiography is, in fact, squarely in the central tradition
of the English novel. If this is so, why has he been seen
only as an outcast and renegade?
Part of the problem is sexomania-sexophobia. Henry
stirs outrage because of his lust for life. He also stirs
outrage because of his happiness at being alive and his
truly Christ-like lack of envy. Perlès once called him an
amateur writer-in the literal sense: he loved to write.
Miller also says in Tropic of Capricorn, "Envy was the one
thing I was not a victim of."
This was surely true when I knew him. He was unstinting
in helping me and others. He did not calculate his gifts-
He saw the world as having enough gifts for all. He did not
hold back as if inspiration were finite.
The rarity of his generosity made others hate Henry.
They mocked his openness because they could not emulate
it. All his faults were the faults of excess. But it was out of
excess that all his virtues also flowed.

Erica Jong on Henry Miller in "The Devil at Large"